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Signal zum Aufbruch

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Barack Obama wollte in Kairo für einen Neuanfang mit der islamischen Welt werben. Das hat er am Donnerstag ohne Wenn und Aber geschafft. Seine Botschaft war erfüllt von Hoffnung auf Frieden, aber auch vom Geist des gegenseitigen Respekts. Versöhnung und Partnerschaft - sein Credo in einer äußerst facettenreichen Rede. Der US-Präsident hat die Hand für einen Dialog offen ausgestreckt, die Muslime sollten sie jetzt ergreifen.

In Kairo hat Obama viel Beifall geerntet. Wenn er von „Demokratie“ spricht, klingt dies ganz anders als bei seinem Vorgänger George W. Bush. Es geht nicht um einen westlichen Wert, der einer kulturell anders geprägten Welt auf Gedeih und Verderb als Exportartikel aufgenötigt werden soll. Dieser US-Präsident kommt als ehrlicher Makler über. Er besitzt genau das Charisma, um die tiefen Gräben gegenseitigen Misstrauens überwinden zu können. Wenn nicht Obama, wer dann?, fragt man sich. Er ist sichtlich bestrebt, mit Vorurteilen über den Koran aufzuräumen und richtet seine Worte durch die Blume auch an seine eigenen Landsleute. Das lässt ihn so glaubwürdig erscheinen. Eine klare Absage an Rassismus und den Kampf der Kulturen.

Obama wagt den politischen Spagat, der noch niemandem gelungen ist: Ein unzweideutiges Bekenntnis zum Staate Israel - verbunden mit dem Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung und einen eigenen Staat. Der US-Präsident entwickelt die begehrliche Vision eines Nahost-Friedens, nicht ohne die Regierung in Jerusalem mit Nachdruck daran zu erinnern, mit dem Besen vor der eigenen Haustür zu kehren, den Siedlungsbau endlich zu stoppen. Obama zeigt offen Mut, wenn er selbst die radikal-islamische Hamas mit dem Zuckerbrot eines Dialogangebots lockt.

Die USA wollen ihren Frieden machen mit dem Islam, gleichzeitig aber solidarisch Flagge zeigen für Israel. So gesehen sprüht die Reise des Präsidenten geradezu vor politischer Symbolik: am Donnerstag in Kairo - am Freitag bei seinem Deutschlandbesuch in Buchenwald.

Die islamische Welt wird Obama nicht nur an seinen Worten, sondern auch an seinen Taten messen. Aber der Ball liegt jetzt in der islamischen Welt.

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