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So schön kann verlieren sein

Ansgar Griebel

Münster. So sehr haben sich die Preußen schon lange nicht mehr über eine Niederlage gefreut. Wenige Minuten nach der 0:1-Niederlage Sonntagabend gegen die Glasgow Rangers bastelten die Verantwortlichen des Regionalligisten mit vereinten Kräften an einer verkehrten Fußballwelt.

„Alles prima“, bilanzierte Clubchef Marco de Angelis. „Eine rundum gelungene Veranstaltung“, befand Teammanager Carsten Gockel, und Preußen-Trainer Roger Schmidt versah die Niederlage abschließend mit dem überraschenden Fazit: „Das war ein schöner Tag.“ Und das Erstaunlichste an dieser nicht ganz repräsentativen Umfrage: Alle hatten völlig Recht.

Einzig die Spieler, das verriet der Trainer im Nachklapp, seien enttäuscht gewesen, weil gegen den Champions-League-Teilnehmer, Uefa-Pokal-Finalisten und schottischen Rekordmeister vor 5211 zufriedenen Zuschauern Sonntag sogar noch mehr drin gewesen wäre, als diese ehrenvolle Niederlage.

Auf ihrer Homepage hatten sich die Rangers im Vorfeld dieses Testspiels im Wesentlichen auf die längst vergangenen Bundesliga-Saison der Preußen des Jahres 1963 konzentriert. Sonntag mussten sie feststellen, dass auch die Preußen des Jahres 2008 etwas zu bieten haben. Respektlos und sehr selbstbewusst zwangen die Adlerträger die Schotten vor allem dazu, hinten dicht zu machen.

Preußen war 45 Minuten lang die tonangebende Mannschaft. Und immer, wenn es vor dem Tor des dreifachen schottischen Nationalkeepers Neil Alexander lichterloh brannte, hatte Neuzugang Julian Loose auf der rechten Seite als sehr effektiver Brandbeschleuniger gezündelt. Loose ließ sich von großen Namen nicht schrecken und setzte sich wie auf der anderen Seite auch Mehmet Kara immer wieder gegen einen oder bei Bedarf mehrere Gegenspieler in Szene.

Leider brachten die Gastgeber in dieser Phase das Leder nicht im Gästetor unter. Stattdessen nutzte Glasgow nach 34 Minuten die einzige Einschussgelegenheit der ersten Halbzeit. Preußen-Torwart David Buchholz verdarb sich einen ansonsten tadellosen Arbeitstag, als er bei einem Steilpass wenige Zentimeter zu spät kam, und sich der bullige Schottenstürmer Jean-Claude Darcheville clever über den Keeper fallen ließ, den Strafstoß verwandelte Charlie Adam sicher. „Das ist schon ein Wermutstropfen“, ärgerte sich Buchholz über diese Situation, zumal er ansonsten bis zum Wechsel kaum gefordert wurde.

Im zweiten Durchgang war er gegen nun doch stärkere Briten immer auf dem Posten und verhinderte eine höhere Niederlage, die die Preußen aber auch nicht verdient gehabt hätten. „Wenn man so gut spielt, und den Ball laufen lässt, muss man sich auch ein bisschen über diese Niederlage ärgern“, so Roger Schmidt. Aber das wollte gestern so Recht niemand.

Preußen – 1. Hz: Buchholz – Ornatelli, Capretti, Özkara, Wissing – Loose, Lauretta, Wassey, Talarek – Kara, Sowislo – 2. Hz.: Buchholz – Ornatelli (61. Remmert), Matlik, Özkara (61. Pufal), Wissing (61. Magos) – Dede, Lauretta (67. Bakalorz), Ivicevic, Kara (67. Melzer) – Erzen, Scherping

Glasgow Rangers: Alexander – Whittaker, Dailly, Weir, Papac – McCulloch, Thomson (46. Novo), Adam (83. Fleck), Beasley (74. Furman) – Miller, Darcheville

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