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Soldo setzt auf die Defensive

Christoph Fischer

Köln - Die vergangene Saison beendete der 1. FC Köln auf Platz 13. Und blieb damit noch hinter dem rheinischen Rivalen Mönchengladbach. So richtig glücklich war damit niemand bei den „Geißböcken“.

» Der unvergesslichste Moment der vergangenen Saison: Unvergesslich bleibt die Trostlosigkeit der Heimspiele im Rhein Energie Stadion. Das 0:4 gegen 1899 Hoffenheim war sicher einer der Tiefpunkte. Wie auch das 1:5 gegen den VfB Stuttgart, aber es ging immer noch viel schlimmer. Der ehemalige FC-Trainer Friedhelm Funkel kam mit Hertha nach Köln und gewann mit 3:0. Spätestens da glaubten in Köln alle an den Abstieg. Aber es kam anders. Hertha musste in Liga zwei, die Kölner blieben Bundesligist. Mit drei Heimsiegen. Unglaublich. Schlechter waren im eigenen Stadion nur die Absteiger Bochum und Berlin.

» Der Satz der Saison: In Köln ist Manager Michael Meier für die wichtigen Sätze verantwortlich. „Man sollte nicht vergessen, das war eine Rekordsaison“, sprach Meier nach der letzten Spielzeit. Niemals zuvor blieben die Kölner nach einem Aufstieg länger als zwei Spielzeiten in der Bundesliga. Noch ein Satz? Kein Problem. „Wir greifen Leverkusen an“, sprach Meier vor Beginn der neuen Saison, in die der FC dem Vernehmen nach mit einer Schuldenlast von 21 Millionen Euro geht.

» So steht es um den Trainer: Selten zuvor blieb ein wortkarger und zurückhaltender Trainer wie Zvonimir Soldo in Köln lange im Amt. Offensichtlich waren die Fans den Lautsprecher Christoph Daum aber so leid, dass Soldo selbst auf die Südtribüne beruhigend wirkt. Soldo ist ein Fußballfachmann. Dass er mit dieser Mannschaft in der Liga blieb, ist eine große Leistung. Nachdem Meier vom Angriff auf Leverkusen träumte, sagte Soldo realistisch: „Das erste Ziel bleibt der Klassenerhalt.“ Soldo ist ein guter Trainer, der beste seit Huub Stevens in Köln.

» Wen würden die Fans gerne noch fortjagen: Wenn ein Stadion bei derart zurückhaltenden Leistungen wie in der vergangenen Saison meist ausverkauft ist, sagt das viel über die Erwartungshaltung der Zuschauer. „Das Wichtigste in Köln ist die halbe Stunde vor dem Spiel“, sagt Rudi Völler. Der Sportchef von Bayer Leverkusen liegt damit nicht falsch. Köln feiert in erster Linie immer wieder sich selbst, ohne Rücksicht auf die Darbietungen auf dem Rasen. Dass Maniche nach einem Jahr wieder aus Köln verschwand, spricht für den Realitätssinn des Portugiesen. Menasseh Ishiaku soll auch gehen, die Slowenen bleiben leider an Bord.

» Des Trainers Liebling: Soldo hat keine Lieblinge, dafür ist der Kroate viel zu sachlich. Soldo war selbst ein herausragender Defensivspieler, auch als Trainer setzt er auf die Defensive. Und seine Innenverteidigung mit Geromel und Kapitän Youssef Mohamad ist nicht nur ein Prunkstück Kölns, sondern der gesamten Liga.

» Der Kultkicker über sein Erben: Man könnte wieder und wieder die Ikone Wolfgang Overath zitieren. Sein Wort in Köln ist in Stein gemeißelt, aber wir wählen Toni Polster. Er war und ist eine Identifikationsfigur in Köln. Sein Wiener Schmäh kam in Köln ausgesprochen gut an, und Tore machte Polster auch. Seine Nachfolger? „Da ist noch viel Luft nach oben“, sagt der Österreicher.

» Der skurrilste Fan-Artikel: Es gibt praktisch alles, vom Spaghetti-Topf bis zum Bademantel, vom Napf für Lumpi bis zur Socke für das Handy. Was davon skurril ist, bleibt jedem selbst überlassen. Die Damen und Herren der Werbeabteilung des rheinischen Renommierklubs haben jedenfalls an alles gedacht.

» So wollen sie spielen: Zvonimir Soldo greift auf die gute alte Raute zurück, weil der dribbelstarke Tosic nicht mehr dabei und Chihi weiter verletzt ist. Fraglich weiter, wo Nationalspieler Lukas Podolski nach einer enttäuschenden Saison seine Position findet. Soldo sagt, es hängt von der Stärke des Gegners ab, ob er hinter den beiden Spitzen oder selbst als Spitze spielt. Adam Matuschyk ist ein Kandidat für die zentrale Position. Wie auch U-20-Nationalspieler Taner Yalcin, der in der Vorbereitung überzeugte. Martin Lanig vom VfB Stuttgart bedeutet eine Verstärkung. Der Rumäne Alexandru Ioanita muss das erst noch zeigen. Auffallend an ihm bisher nur, dass er die Kölner Mädchen als „hässlich“ bezeichnete. Der Boulevard zürnte. Keine guten Startvoraussetzungen.

» Was muss? Was kann? Manager Michael Meier will Bayer Leverkusen angreifen, der Trainer erst einmal wieder den Abstieg verhindern. Wenn die Zugänge einschlagen, sollten Abstiegssorgen nicht eintreten, wenn nicht, wird der Klub vielleicht wieder bis zuletzt bangen.

» Zieleinlauf: Wichtig ist, dass der FC im eigenen Stadion endlich wieder mehr Spiele gewinnt. Der Trainer sieht seine Mannschaft am Ende optimistisch im sicheren Mittelfeld. Wahrscheinlicher ist, dass der FC im hinteren Mittelfeld landet.

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