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Solider Mieter - Freude im Zwischenlager über zusätzliche Einnahmen

Stefan Werding

Bonn/Ahaus - Jens Spahn steht normalerweise nicht im Verdacht, mit den Atomkraftgegnern seiner Heimatstadt Ahaus viele Gemeinsamkeiten zu teilen. Am Montag jedoch berichtete der Bundestagsabgeordnete der CDU über eine „ungeahnte Einigkeit mit der Bürgerinitiative vor Ort. Ich bin mit dem Umweltminister einig, dass ein Transport nach Russland unverantwortlich wäre und die Brennelemente in Ahaus bleiben müssen.“ Der Umweltminister war „zu der Überzeugung gekommen, dass gegenwärtig nicht angenommen werden kann, dass die Voraussetzungen für eine schadlose Verwertung vorliegen“.

Spahn sollte sich nicht zu früh freuen. „Wir haben mit Jens Spahn nichts, aber auch gar nichts gemeinsam“, schimpft Felix Ruwe. „Dass der Atommüll in Ahaus bleibt, macht uns absolut unglücklich“, sagte er am Montag. „In Ahaus liegt ein Riesengefahrenpotenzial.“ Immerhin ist der Sprecher der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ froh, „einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben“. Nun wollen er und seine Mitstreiter denkbare Transporte aus dem Forschungsreaktor Garching bei München verhindern. „Die müssen wir auf alle Fälle abbiegen“, sagte er unserer Zeitung.

Und auch Burghard Rosen vom Brennelemente-Zwischenlager (BZA) entdeckte nach dem „Njet“ für den Transport Vorteile: Zum einen weiter sichere Mieteinnahmen eines „soliden Mieters“ für die Castorbehälter. Die werfen für die Betreiber des Brennelemente-Lagers jährlich drei Millionen Euro ab. Und ein Lob von den Atomkraftgegnern: Die hatten gefordert: „Nix rein - nix raus.“ Das wertete Rosen als Lob für die Sicherheit im BZA: „Das freut uns, wenn wir von unseren Gegnern eine sichere Zwischenlagerung attestiert bekommen.“

Unzufrieden ist dagegen Sachsen mit dem Transport-Stopp. Das Land hatte sich von einem Transport noch in diesem Jahr eine relativ günstige Erledigung seines Atommüll-Problems erhofft. Im April hatten die US-amerikanischen und russischen Präsidenten entschieden, alles Atommaterial aus den Zeiten der Sowjetunion aus dem Verkehr zu ziehen, damit es keinen Terroristen in die Hände fällt. Dafür wollten sich die USA an den Kosten auch des Transports des Rossendorfer Atommülls nach Russland beteiligen.

Auf diesen Zuschuss wird das Land beim nächsten Versuch verzichten müssen.

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