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Sozialplan steht: Karmänner müssen Kröte schlucken

Jürgen Stilling

Rheine/Osnabrück - Letztlich konnte nur ein Schlichter helfen. Doch nach monatelangen Verhandlungen steht nun der Sozialplan für knapp 900 der rund 1000 Beschäftigten im Werk Rheine des Autobauers Karmann.

Konkret: Alle knapp 900 Mitarbeiter, denen im August zum 31. März kommenden Jahres gekündigt wird, bekommen eine Abfindung von 50 bis 55 Prozent des Bruttomonatsgehalts pro Jahr der Betriebszugehörigkeit. „Das haben wird erstritten“, hob der Rheiner IG-Metall-Chef Heinz Pfeffer im Gespräch mit unserer Zeitung hervor.

Notwendig geworden war der Stellenabbau in Rheine, weil der Produktionsauftrag für das Audi-A4-Cabrio Ende März 2009 ausläuft. Die verbleibenden 100 Mitarbeiter fertigen am Standort im Nordmünsterland künftig Dachgestänge und Verdecke.

Der Arbeitnehmerseite ist es offenbar schwergefallen, dem drastischen Kahlschlag zuzustimmen. „Insbesondere die Sozialauswahl verlangte von allen Beteiligten Einfühlungsvermögen, Kreativität und Kompromissbereitschaft“, betonte Pfeffer, der auch Mitglied der Verhandlungskommission war.

Doch nach der Vermittlung des Schlichters Joachim Wenzek vom Arbeitsgericht Osnabrück musste der Betriebsrat auch eine Kröte schlucken: Die Transfergesellschaft, die am 1. April 2009 ihre Arbeit aufnimmt und die Karmänner qualifizieren sowie in neue Arbeitsplätze vermitteln soll, wird die Entlassenen lediglich vier Monate lang betreuen. „Allerdings beginnt eine Transferagentur schon im Januar mit der Vermittlung der Betroffenen in neue Jobs“, erklärte Pfeffer. Wer allerdings im August 2009 noch keine neue Arbeit gefunden habe, stehe auf der Straße, räumte der IG-Metall-Geschäftsführer ein.

Karmann hatte im Januar bereits im Hauptwerk in Osnabrück 500 Mitarbeiter entlassen, weil auch dort Fertigungsaufträge ausgelaufen waren. Weitere Stellenstreichungen drohen am Stammsitz, wenn nicht in Kürze neue Kunden gefunden werden. Auch über den Verkauf des Unternehmens wird verhandelt.

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