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Vorrunde Gruppe G

Spanien wieder auf Kurs

Michael Schulte

Durban - Weltmeister Italien hat sich bereits verabschiedet, Vize-Weltmeister Frankreich auch. Nicht nur für Bundestrainer Joachim Löw zählen diese zwei sportlichen Enttäuschungen zu den größten Überraschungen der Vorrunde. Gestern Abend in Pretoria stand Europameister Spanien auf dem Prüfstand, konnte die Aufgabe gegen Chile aber meistern. Mit einem 2:1 (2:0)-Sieg schaffte das Team von Vicente del Bosque nicht nur den Sprung ins Achtelfinale, sondern holte sich auch den Gruppensieg vor den Chilenen. Die Schweiz kam nur auf den dritten Rang. Die Truppe von Ottmar Hitzfeld kam im Parallelspiel in Bloem­fontein gegen Honduras nicht über ein torloses und sehr enttäuschendes Unentschieden hinaus.

„Die Spanier schaffen das, das spüre ich“, wagte Giovane Elber eine Prognose. Der Brasilianer war gestern Mittag im deutschen Quartier aufgetaucht, weil er als Fernsehexperte zu den Medien gewechselt ist. „Zwei Überraschungen in der Vorrunde reichen doch erst einmal.“ Der ehemalige Münchner Torjäger sollte Recht behalten.

Es stand Spitz auf Knopf vor dem letzten Spieltag in der H-Gruppe. Vorne thronte Chile mit sechs Punkten und 2:0-Toren. Dahinter Spanien (3/2:1) und die Schweiz (3/1:1). Die Spanier und Schweizer brauchten „nur“ zu gewinnen, dann wäre der Weg für sie frei gewesen.

Das wussten die Chilenen natürlich auch, die den Spaniern von Anfang an hart auf den Füßen standen. Gelbe Karten nahmen sie dabei in Kauf, Hauptsache hinten brannte nichts an. Die ersten Möglichkeiten des Favoriten ließ Fernando Torres liegen, auf der Gegenseite hatte Mark Gonzalez eine gute Kopfballchance. 20 Minuten lief alles nach Plan für die Chilenen, dann nahm das Unheil seinen Lauf. Torres war wieder einmal auf die Reise geschickt worden, was Chiles Keeper Claudio Bravo zu einer Rettungstat weit außerhalb seines Strafraumes veranlasste. Der Ball kam zu David Villa, der aus über 30 Metern ins leere Tor traf. 17 Minuten später fiel das 2:0 durch Andres Iniesta, zudem flog Chiles Marco Estrada mit gelb-roter Karte vom Platz. Der Weg schien frei für Spanien.

Aber noch nicht für die Schweiz. Die Eidgenossen brachten im ersten Abschnitt nicht viel zustande, hatten Honduras zwar im Griff, mehr aber auch nicht. Die einzigen zwei Chancen köpften Derdiyok und NKufo vorbei, das war es. Hitzfeld schritt mit grimmigem Blick zum Pausentee.

Dieser wiederum schmeckte den Spaniern bestens. So gut, dass sie ein wenig sorglos zurückkehrten. Bereits zwei Minuten nach dem Wiederanpfiff fiel das 1:2, weil sich der eingewechselte Rodrigo Millar einen 18-Meter-Schuss zutraute, den Verteidiger Piquet noch ein wenig ins eigene Tor abfälschte. Die Fans aus Südamerika jubelten und sahen plötzlich wieder die Chance auf das Achtelfinale.

Torjubel hätten die Schweizer auch gern veranstaltet, aber die Nummer in Bloemfontein drohte immer mehr zur Nullnummer zu werden. Optische Überlegenheit und Einfallslosigkeit bestimmten das Bild, das Hitzfeld überhaupt nicht schmeckte.

Die Mischung aus Real Madrid und FC Barcelona schaukelte hingegen die Partie in Pretoria routiniert über die Bühne. Man erspielte sich noch Chancen, spielte sie aber nicht mehr konsequent zu Ende. Das Team aus Chile steckte zwar nie auf, musste aber erkennen, dass gegen diese erfahrenen Spanier alles Anrennen nichts mehr half.

Anrennen war das, was auch die Schweizer veranstalteten. Angriff auf Angriff rollte auf das Tor der tapfer verteidigenden Honduraner - schlussendlich ohne Erfolg.

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