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Sportfreunde Stiller

Spaß außerhalb des Fanblocks

Florian Schröder

Die Sportfreunde Stiller haben genug vom Fußball. Im neuen Album „La Bum“ zeigen die Jungs sogar Gefühl. Vor Auftritt in der Halle Münsterland verriet Bassist Rüdiger „Rüde“ Linhof Florian Schröder, was ihn persönlich zum Weinen bringt, und wie man Bayern-Vorurteile nutzen kann.

Obwohl es die Sportis schon lange gibt, werdet ihr seit „’54, ’74, ’90, 2006“ nur noch mit Fußball assoziiert.

Rüde: Ich finde die Assoziation mit dem Lied total fein und in Ordnung. Aber wir machen jetzt dort weiter, wo wir mit dem vorletzten Album aufgehört haben: Themen, die Sportfreunde bewegen. Man ist geneigt, zu denken, es wäre ein Problem für eine Band, einen Hit zu haben. Das Lied stand über allen Dingen. Sogar Robbie Williams fing auf dem Hockenheimring an, unseren Song zu singen. Die Leute haben dann eben nicht mehr „Angel“ gesungen. Nach diesem WM-Ding hatten wir Rückenwind und den Ehrgeiz, eine tolle Platte zu machen.

Ihr seid auf eurer neuen Platte wesentlich gefühlvoller. Was bringt Dich zum Weinen?

Rüde: Zum Weinen bringt mich wenig. In der Schule habe ich mal geweint als ich durchgefallen bin. Ich habe geweint vor Freude, als ich meine Aufnahmeprüfung bestanden habe. Auch beim Liebeskummer mit 14. Ich bin ein absolut gewöhnlicher Mensch! Gesellschaftliche Themen sind uns zwar am Herzen, aber deshalb weinen wir nicht. Man muss sein Leben bewusst angehen und darf sich nicht später in einer Situation finden, in die man reingebracht wurde.

Wie stehst Du dazu, dass euch oft oberflächliche Texterei vorgeworfen wird?

Rüde: Die Mischung muss gut sein zwischen Unterhaltung und Tiefgang. Ich find’s toll, wenn die Leute auf den Konzerten zu den tiefsinnigen Songs mitfeiern wie zu anderen Liedern, dabei aber auch den Unterschied spüren. Es bringt mehr, wenn man mit Freude Themen angeht.Die Menschen merken, dass wir mit ganzem Herzen spielen. Wir verstellen uns nicht in dem, was wir machen, und sind eine Band, die authentisch bleibt. Wenn uns in Deutschland 84 Millionen Menschen schlecht finden, dann finden uns eine Million gut.

Bayern München ist im Fußball extrem unbeliebt. Schlagen euch als Südlichter Vorurteile entgegen?

Rüde: Sie haben Recht, wenn sie Bayern München nicht mögen. Das Team kauft anderen die Spieler weg. Mit dem Hass auf Bayern kann man aber auch Gutes tun. In Eschweiler auf einem Konzert haben die Veranstalter Pfand-Becher gesammelt für „Viva con aqua“. Wir haben den Fans gesagt, wenn sie was Gutes tun wollen, können sie Becher auf uns werfen und ihren Hass auf Bayern rauslassen. Da flogen 1001 Becher auf uns.

Redet ihr innerhalb der Band mal aneinander vorbei?

Rüde: Wir reden regelmäßig aneinander vorbei und machen ungerechte Vorhaltungen, um die Aufgabe des Anderen zu erzwingen. Aber wir kennen uns so lange und so gut, dass wir keinen Bock haben, dauerhaft unfair zu sein.

Sonst ist aber alles Roger?

Rüde: Ja (lacht).

Habt ihr schon einen Song für die WM 2010?

Rüde: Klar, haben wir: „’54, ’74, ’90, 2010“. Wir sitzen dann ganz locker auf der Tribüne und trällern den vor uns hin.

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