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SPD-Chef Kurt Beck auf Sommerreise: Warten auf die Flut

Franz Ludwig Averdunk

Berlin - Kurt Beck auf der Elbe in riesiger Stahlwanne halb unterm mächtigen Schiffsrumpf – mal etwas anderes als einige herzige rheinland-pfälzische Weinbergkulisse. Nicht als Mainzer Ministerpräsident ist er unterwegs. Als SPD-Chef startet er seine kurze Sommerreise bei Blohm und Voss in Hamburg – eben im Schwimmdockinnern, zuvor an Ausbildungswerkbänken. „Möglichst viele Kontakte“ suche er, sagt Beck: „In alle gesellschaftlichen Bereiche.“

Aber vor allem in die Arbeitnehmerschaft: Plausch mit Betriebsräten hier beim Werftbesuch, später beim Lkw-Produzenten MAN in Salzgitter. Am liebsten weg mit der Agenda? Überhaupt nicht, versichert er: Wer fordere, die Agenda müsse rückgängig gemacht werden, vertrete in der SPD eine „absolute Minderheitenposition“. Beck drückt es lieber positiv aus: Jetzt in Aufschwungzeiten müssten „alle davon profitieren“ – einen Job bekommen oder „angemessene Löhne“.

Reiz-Stichwort: Mindestlohn. Den direkten Schlagabtausch darüber mit Angela Merkel überlässt er Vizekanzler Franz Müntefering. Wohl wendet Beck sich gegen das „Mindesteinkommen“, wie es die Union vertrete. Nicht irgendeine Grundabsicherung – der SPD komme es auf den Lohn an: „Wer voll arbeitet, muss davon leben können.“

Rente mit 67. Dass sie darüber sauer sind, haben ihn die Betriebsräte wissen lassen. Er sehe ja, dass dies speziell in Berufen, in denen körperlich hart gearbeitet werden muss, ein besonderes Problem ist. Immer wieder schwingt bei solchen Streitthemen der Gedanke an die Konkurrenz mit. Links-Partei. Den Namen nimmt er nicht in den Mund, formuliert es indirekt: „Man darf soziales Profil nicht mit Illusionen verwechseln.“ Und: „Wir grenzen uns von niemandem ab.“ Was heiße: „Wir werden uns nicht auf das Spielfeld einer anderen Partei begeben.“ Kurzum: „Wir machen unsere Politik.“

So ähnlich drückt er es am Abend auch aus beim Mitgliederfest der hannoverschen SPD: den Genossen wieder Mut machen. In Hamburg und Niedersachsen wird schließlich Anfang nächsten Jahres gewählt – in Hessen dazu.

„Wir sind ganz zukunftsfroh“: Becks Botschaft jetzt gegen Ende der Politferien an die Bürger. Die SPD sei schließlich „ganz geschlossen über diesen Sommer gekommen“, nimmt er für sich in Anspruch: „Das war leider nicht immer so.“

In Wahrheit auch dieses Mal nicht: Deutliche Querelen über die Bahnreform. Erst lautes Nachdenken über eine Unterstützung der Wiederwahl des Bundespräsidenten, dann eigene Kandidatennamen. Verlängerung der drei deutschen Afghanistan-Einsätze: Die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der SPD sollen erst bei einer Konferenz von Vorstand und Bundestagsfraktion am 7. September, dann auf dem Parteitag Ende Oktober auf einen Nenner gebracht werden. Beck gibt führungsbewusst vor: „Ich gehe davon aus, dass die Mandate weiter notwendig sind.“

Wieder heraus aus dem Umfrage-Keller? Michael Naumann, der Hamburger Spitzenkandidat, steuert das Bild vom Tidenhub bei: „Auf Ebbe folgt die Flut.“ Bei Beck weiß man nicht, wie er es meint, als die Werftleute virtuell eines ihrer Nobelangebote („Toys for Boys“) vorführen: Protzyacht mit eingebautem Hubschrauber-Hangar. Und herausfahrbarer Strandanlage. Zu der fällt dem SPD-Chef spontan ein: „Uns interessiert natürlich brennend, wie das ist mit dem Badengehen.“

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