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Köpfe hinter den Köpfen

Spitzenmann im Kanzleramt

Volker Resing

Berlin. Alles, was nicht in der Zeitung steht, das macht Hans Bernhard Beus. Der Staatssekretär im Bundeskanzleramt koordiniert und organisiert, formuliert und kommuniziert. Um Deutschland zu regieren, könnte man ketzerisch sagen, braucht man die vielen Politiker gar nicht, das machen sowieso die Beamten.

Das stimmt natürlich nicht ganz, auch Hans Bernhard Beus würde das weit von sich weisen. Und doch sagt der Spitzenmann, der fast ganz oben im Bundeskanzleramt sitzt, nahe der Kanzlerin, in seinem Büro mit Deutschlandflagge: „Ich bin kein Politiker.“ Er ist ein politischer Beamter, das ist die Zwittergestalt im Berliner Politikgewimmel. Man hat schon ganz schön viel Macht, man ist überall dabei, nur muss man dafür bei Wahlen nicht unmittelbar seinen Kopf hinhalten. Er selbst kommentiert es nüchtern: „Es ist schon ein Privileg, in dieser Funktion dabei sein zu dürfen.“

Hans Bernhard Beus, Jahrgang 1949, stammt aus Hamm und hat in Münster studiert, dort hat er auch seine Frau kennengelernt, seine juristischen Staatsexamen abgelegt und promoviert. Mit der Domstadt fühle er sich verbunden. Vor allem mit dem Nordstern! An die Kneipe im Kreuzviertel erinnert er sich noch.

Ende der 70er Jahre hat der junge Jurist, der während der Ausbildung im Finanzamt Ibbenbüren gearbeitet hat, nie damit gerechnet einmal im Bundeskanzleramt an oberster Stelle zu landen. Und doch, ihm wurde es schon schnell in Münster zu langweilig. 1980 geht er als Referent ins Bundesinnenministerium nach Bonn.

1982 wird er persönlicher Referent von CSU-Innenminister Zimmermann. Er musste sich mit Umweltpolitik beschäftigen. Und dann passierte Tschernobyl. Die Katastrophe erschütterte auch die Bonner Regierung. „Wir waren damals darauf nicht gut eingestellt“, sagt er rückblickend, auch wenn er direkt noch keine Verantwortung hatte. Es lag nichts in der Schublade, keine Notfallpläne. Und genau für so was muss ein gutes Ministerium, müssen gute Beamte vorsorgen. Am Ende hat Kanzler Kohl ein eigenes Umweltministerium gegründet, als sichtbare Reaktion. Beus blieb im Innenressort. Ein Minister ist ohne seine Beamten nichts, so viel ist klar.

2006 wird Beus Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Schäuble als neuer Minister hat ihn ausgesucht. Staatssekretäre sind zwar keine Politiker, segeln aber doch, mehr oder weniger offen, auf einem Parteiticket. Beus soll den Bürokratieabbau vorantreiben. Doch er bleibt nicht lange, er wird ins Kanzleramt gerufen. Staatsministerin Hildegard Müller erwartet Nachwuchs. Beus übernimmt die erste „Mutterschaftsvertretung“ eines Regierungsmitglieds in der Geschichte Deutschlands. „Familienfreundlichkeit darf sich eben nicht nur auf das Reden darüber beschränken. Es zeigt sich dann auch konkret im Handeln“, sagt er. Das ist ein Satz, der könnte von einem Politiker stammen.

Staatsminister wie Hildegard Müller oder auch Parlamentarische Staatssekretär sind wiederum etwas ganz anderes als beamtete Staatssekretäre. Es sind Abgeordnete und damit echte Politiker. Gleichzeitig arbeiten sie in einem Ministerium oder im Kanzleramt. Sie sollen die Verbindung zwischen Parlament und Regierung verbessern. Für Beus eine völlig neue Aufgabe. Er sitzt jetzt bei den Fraktionssitzungen von CDU/CSU im Bundestag mit auf der Bank und lauscht. Der Bundeskanzlerin wird er Bericht erstatten.

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