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Sponsor verzweifelt gesucht

Alexander Heflik

Pau - Wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören, die Uhr tickt schon unerbittlich dem Ende entgegen. Nur kommt das Aufhören Hans-Michael Hoczer dieser Tage nicht so recht in den Sinn. Er, der Rennstall-Besitzer aus Herrenberg will unbedingt weiter mitmischen im Radsport. Aus Team Gerolsteiner soll Mannschaft X werden, Hauptsponsor verzweifelt gesucht. „Wir haben es fünf Jahre vergeblich versucht, im sechsten klappt es richtig toll bei der Tour. Und ausgerechnet jetzt ....“

Aussprechen will er es nicht, das Ende des deutschen Vorzeige-Rennstalls, der anders als T-Mobile Team um die großen Doping-Skandale herumgeschifft ist. Mehr noch, Holczer hat sich klar im Anti-Doping-Kampf positioniert, gemeinsam mit Roger Legeay, seinem Widerpart von Credit Agricole, weit aus der Deckung getraut. „Und ausgerechnet jetzt, wo es eine langfristige Perspektive im Radsport gibt, trifft es möglicherweise uns beide.“

Katzenjammer und Jubelstimmung verquicken sich bei Gerolsteiner. In wenigen Tagen läuft die selbst gesetzte Frist ab. Dann müsste Holczer zumindest eine handfeste Perspektive besitzen. Doch die gemeinsamen monatelangen Aktivitäten mit Sportrechte-Vermarkter Sportfive brachten nicht das erwünschte Ergebnis. Die deutsche Abteilung von Skoda würde vermutlich das finanzielle Engagement erhöhen, aber würde keinesfalls zur Deckelung des Jahres-Budgets reichen. Im offiziellen Tour-Heft wird Gerolsteiner mit sieben Millionen Euro taxiert, in der Realität liegt der Betrag näher an zehn Millionen Euro. Ein Comeback des seit elf Jahren tätigen Wasser-Produzenten aus der Eifel, also der Rücktritt vom Rückzug Gerolsteiners, ist ausgeschlossen.

Dabei mischt die Mannschaft munter mit. Stefan Schumacher, das Sorgenkind der Equipe, gewann eine Etappe und trug zwei Tage das Gelbe Trikot. Der Österreicher Bernhard Kohl, der Gesamtvierter ist nach der Königsetappe im Pyrenäen-Hochgebirge, wird mindestens als Podiumskandidat für Paris gehandelt. Der gelernte Kaminkehrer aus Klagenfurt aber schraubt die Erwartungen – noch – nicht so hoch. Zwei schwere Debüt-Jahre bei T-Mobile Team liegen hinter ihm, seit 2007 steht er bei Holczer unter Vertrag. Nun könnte der 26-Jährige Kletterspezialist sein Meisterstück machen: „Wenn ich unter die ersten zehn in Paris kommen, wäre das ein Riesenerfolg.“ Und ergänzt das um seine Favoriten: „Schleck, Evans und Sastre, auf die muss man sich jetzt konzentrieren.“ Kohl hat Tuchfühlung zur ersten Garde.

„Wenn man will, kann man jetzt alles durch die Sponsorensuche erklären“, sinniert Holczer. Bei Misserfolg wäre es der Druck, der für jeden einzelnen Fahrer zu hoch gewesen wäre. Wie jetzt, also im Erfolgsfall, war es die zusätzliche Motivation, sich für einen neuen Arbeitgeber empfehlen zu müssen, die alles in Fluss gebracht hat. Holczer bleibt pragmatisch: „Wir haben in zehn Etappen das Soll unseres Teams für eineinhalb Jahre erfüllt.“ So klingt sein Fanal in Richtung zahlungskräftiger Investoren.

In ein paar Tagen wissen alle mehr, noch hat kein Fahrer einen Vertrag anderswo unterschrieben. Team Milram soll großes Interesse an Markus Fothen und dem Deutschen Meister Fabian Wegmann haben, auch Kohl verbesserte seinen Marktwert schlagartig. Vielleicht müssen sie den Arbeitgeber genau dann wechseln, wenn es am schönsten ist.

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