1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Sprachlose Grünschnäbel

  6. >

Rot Weiss Ahlen

Sprachlose Grünschnäbel

Cedric Gebhardt

Ahlen - Man muss kein wichtiger Staatsmann oder bedeutender Philosoph sein, damit die eigenen Worte Anerkennung finden. Im Fall von Alexander Thamm reicht es aus, dass er zum neuen Mannschaftskapitän von Rot-Weiß Ahlen ernannt wurde.

Nach nur vierwöchiger Vorbereitungszeit steht fest, dass er gemeinsam mit Oliver Glöden als Leitwolf das Rudel der (überwiegenden) Jungtiere anführt. Knapp 22 Jahre ist der durchschnittliche RW-Spieler alt. Thamm liegt mit seinen 28 Lenzen daher schon deutlich über diesem Mittelwert. Und es kommt nicht von ungefähr, dass er neben der Kapitänsbinde zugleich die Wortführerschaft übernommen hat.

„Ich kenne das schon, es macht mir Spaß“, sagt Thamm, der auch bei seinen vorherigen Stationen Essen, Bochum und Schalke das Sprachrohr gemimt hat. „Kommunikation ist das A und O“, unterstreicht Trainer Thomas Berndsen, der froh ist, in Thamm und Glöden zwei (verbale) Korsettstangen zwischen all den Grünschnäbeln zu wissen. Grundsätzlich komme das Reden bislang bei seiner Meute viel zu kurz, das sei das Hauptproblem. „Alle sind neu. Jeder muss sich trauen, was zu sagen, egal aus welcher Liga er kommt. Die Jungs müssen offener werden“, fordert Berndsen.

Immerhin: Die Hierarchie auf dem Rasen kristallisiert sich so eher heraus. „Mir ist es ganz lieb, dass nicht so viele Häuptlinge auf dem Platz sind, man braucht auch Indianer. Wenn alle nur am Reden sind, können wir uns auch gleich auf ne Runde Skat zusammensetzen“, meint Alexander Thamm. Viel lasse sich auch über Emotion und Laufbereitschaft wettmachen, glaubt er.

Doch jüngst beim 0:10 gegen Paderborn im DFB-Pokal hat Thomas Berndsen festgestellt, „dass viele taktische Fehler daraus resultieren, dass sich die Jungs noch nicht verstehen“. Die kurze Vorbereitungszeit hat bei weitem nicht ausgereicht, um die Mannschaft auf ein angemessenes Level zu hieven. „Aber das heißt nicht, dass wir gegen jeden Gegner chancenlos sind“, bekräftigt RW-Aufsichtsrat Michael Ross. Er sei „überzeugt, dass wir in der NRW-Liga eine gute Rolle spielen werden“. Eine offizielle Zielsetzung des Vereins gibt es nicht.

Dem kickenden Personal schwebt jedoch ein einstelliger Tabellenplatz vor. Von Vorteil ist, dass RW aufgrund der Spielklassenreform nicht absteigen kann. „Die Spieler machen sich trotzdem selbst den Druck, das ist allerdings absolut positiv. Denn es ist wichtig zu erkennen, wie viel Druck ich von außen ausüben muss“, erörtert Thomas Berndsen. Er weilte in dieser Woche ebenso wie sein Assistent Björn Lerbs in den Ferien. Ohne Frage ein unglücklicher Zeitpunkt, allerdings stand der Urlaub der beiden Übungsleiter schon vor Monaten fest.

Zum Auftakt geht es am Sonntag (15 Uhr) mit den Sportfreunden Siegen gleich gegen eines der Top-Teams. „Nach der Pokal-Niederlage gegen Paderborn haben wir jetzt die Möglichkeit mal zurückzuschlagen“, posaunt Thomas Berndsen mit reichlich Zweckoptimismus. Seine Mannschaft hat ab sofort den Auftrag, den großen Worten entsprechende Taten folgen zu lassen.

Startseite