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Spruch löst Spektakel aus

Michael Schulte

Münster. Als PR-Gag eine grandiose Idee, als Spruch einfach nur misslungen. Oder handelt es sich doch nur um ein krasses Missverständnis? In jedem Fall bekommt das Spitzenspiel in der Fußball-Kreisliga A 2 am kommenden Sonntag ungeahnte Brisanz und noch größeres Interesse. Dann trifft Spitzenreiter VfL Sassenberg auf Verfolger Telekom Post SV Münster. Dann trifft auch Sassenbergs Trainer Christian Franz-Pohlmann auf Telekom-Torjäger Kai Pfaff.

Zur Vorgeschichte: Es war am vergangenen Sonntag. Telekom-Post hatte es mit dem SV Drensteinfurt zu tun. Interessierter Beobachter war auch Christian Franz-Pohlmann, Trainer des spielfreien VfL Sassenberg. „Wenn ihr das Spiel heute gewinnt, gibt es 50 Liter Bier“, versuchte der ambitionierte Coach den Ehrgeiz der Drensteinfurter anzustacheln. Letztlich vergebens, sie unterlagen mit 0:8.

Aber der Nachsatz, der hat es in sich. Und an ihm scheiden sich die Geister. „Und wenn der Kai Pfaff nächste Woche nicht spielen kann, dann gibt es noch mal 30 Liter.“ So hat es Dirk Mackenbrock verstanden, Drensteinfurter Spieler. Angeblich einige seiner Kameraden auch. So hat es Franz-Pohlmann nie gesagt, sagt er. „Ein absolutes Missverständnis.“ So aber hat es Reinhard Zumdick, Trainer der Drensteinfurter, von seinem Spieler am Platz erfahren und hegt nicht den geringsten Zweifel: „Dirk ist eine grundehrliche Haut.“

24 Treffer stehen auf der Habenseite von Pfaff, er ist die Post-Torfabrik und der Schrecken der Kreisliga A 2. „Ich bin froh, dass wir solche Spieler wie Kai Pfaff in der Kreisliga haben. Das hebt das Leistungsniveau an“, sagt Franz-Pohlmann. Und dann etwas Grundsätzliches vom End-Zwanziger, der zuletzt Co-Trainer bei Preußen Münsters A-Junioren in der Bundesliga war: „Ich habe noch nie ein schlechtes Wort über andere Spieler und Vereine gesagt. Ich respektiere und schätze jeden.“ Außerdem habe er das gar nicht nötig: „Warum sollte ich so was sagen? Ich vertraue meiner Mannschaft und kenne ihre Stärke.“

Als der Spruch im Stadion rund und letztlich im Internet gelandet war, musste Franz-Pohlmann aktiv werden. Mit Reinhard Zumdick telefonierte er und wies auf das Missverständnis hin. Ausräumen konnte er es nicht. Weder mit Logik noch mit Humor. „Er war sichtlich um Wiedergutmachung bemüht und wollte beschwichtigen. Für mich nicht überzeugend.“ Für Zumdick ist das alles auch keine Bagatelle. „Wenn er es wirklich so gesagt hat, dann geht das gar nicht. Dann hätte er den Bogen eindeutig überspannt.“

Christian Franz-Pohlmann hat sich auch telefonisch bei Telekom-Post und dem Spieler Pfaff gemeldet und beide Seiten auf das Missverständnis hingewiesen. „Wir möchten das Spiel am kommenden Sonntag sportlich über die Bühne bringen und nicht im Vorfeld für Unruhe sorgen. Wir werden in der nächsten Woche entscheiden, wie wir weiter verfahren“, deutet Telekom-Trainer Roland Jungfermann an, dass für ihn und den Club in dieser Angelegenheit durchaus noch Klärungsbedarf besteht. Vorher geht es sportlich zur Sache.

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