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Rot Weiss Ahlen

Sprung an die Spitze verpasst

Franz Prinz

Magdeburg/Ahlen. Die Mütze tief ins Gesicht gezogen, die Schulter hängend, fahl im Gesicht stand Grover Gibson fast teilnahmslos im Kreis seiner Mitspieler von Rot-Weiß Ahlen, als diese sich nach dem Spiel beim 1. FC Magdeburg von den knapp 150 mitgereisten Ahlener Fans verabschiedeten. Der Gemütszustand des Kreativspielers hatte aber nichts mit dem Ergebnis dieser Regionalliga-Partie zu tun. Nein, Gibson war über Nacht von einem Virus heimgesucht worden, sein Einsatz somit nicht möglich, aber er wollte beim Dank an die Fans dabei sein, denn gemeinsam feierten sie ein 2:2 und somit einen wichtigen Auswärtspunkt.

Es war das gerechte Ergebnis im Spiel der besten (Ahlen) gegen die zweitbeste (Magdeburg) Rückrundenmannschaft, auch wenn „wir mit etwas Glück sogar einen ,Dreier‘ hätten holen können“, so Gibson. Mehr war dem Ex-Münsteraner zwar nicht zu entlocken, aber er lag mit seinem Fazit nach aufregenden, kampfbetonten, engagierten und vor allem temporeichen 90 Minuten goldrichtig. Zwar hatten Lars Toborg (9.) und Baldo di Gregorio (13.) mit ihrem Doppelschlag die Weichen frühzeitig zunächst auf Sieg gestellt. Vielleicht aber fielen diese Tore zu früh, entfachten sie doch das Feuer von gut 10 000 bestens aufgelegten Magdeburger Fans, die das herrliche Fußballstadion in einen Hexenkessel verwandelten. Und als aus ihren Kehlen nur vier Minuten nach Rot-Weiß Ahlens 2:0 ein lautstarker Aufschrei kam, ließ sich auch der insgesamt gute Schiedsrichter Thorsten Schriever beeinflussen. Bevor er jedoch nach einer Hakelei zwischen Marcel Busch und Marcel Probst auf den Elfmeterpunkt zeigte, hatte er die Szene offenbar noch einmal in Zeitlupe im Geiste Revue passieren lassen, denn er benötigte für seinen Pfiff geschlagene drei Sekunden und einen verzweifelten Blick in Richtung seines nicht reagierenden Assistenten.

Der FC war wieder im Spiel und im Stadion war allen klar, die Messe dieser Partie war noch lange nicht gelesen. „Nach dem 0:2 hatte ich Ahlens Sieg in Wuppertal im Kopf, aber als wir den Elfmeter verwandelten, glaubte ich wieder an meine Elf, die dann auch eine tolle Moral bewiesen hat“, erzählte Paul Linz später, während für seinen Ahlener Trainerkollegen Christian Wück der Strafstoß „die Schlüsselszene dieser Partie war“.

Kann sein, aber entscheidend für den weiteren Verlauf waren auch taktische Änderungen der Platzherren. Die beiden Außenspieler – vor allem der nach einer halben Stunde für Lindemann eingewechselte Baumgart – rückten nun mehr ein, und plötzlich waren die Räume für Ahlens Konterspiel enger. Weil jedoch die Defensive der Rot-Weißen mit den starken Innenverteidigern Marinko Miletic und Baldo di Gregorio ihr bislang bestes Zusammenspiel praktizierte, kamen die Magdeburger trotz zunehmenden Raumgewinns nicht zu großen Torchancen. Da musste erst ein Billard-Tor nach einem Eckstoß herhalten. Der Ball landete zuletzt bei Najeh Braham und gegen dessen Schuss aus kurzer Distanz (56.) war Manuel Lenz machtlos.

Ausgleichende Gerechtigkeit für die Ahlener Führung durch Lars Toborgs 21. Saisontor, das Marcel Busch und Kevin Großkreutz zwar mustergültig vorbereitet hatten, das jedoch nur durch den an Mario Kallniks Fuß abgeprallten Ball erst möglich wurde.

Parallelität der Ereignisse auch bei Tor Nummer zwei. Es fiel ebenso wie der Magdeburger Ausgleichstreffer nach einem Eckstoß. Großkreutz servierte scharf, Baldo di Gregorio verlängerte per Kopf.

Und da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, ähnelten sich zwei weitere (fast) entscheidende Szenen ein drittes Mal, erkannte „Schiri“ Schriever doch beiden Teams jeweils Treffer Nummer drei nicht an. Völlig zu Recht, denn die Schützen Daniel Thioune für Ahlen und Najeh Braham für Magdeburg hatten in Anlehnung an Diego Maradonas Tor gegen England bei der WM 1986 die rechte Hand im Spiel, bevor der Ball im Netz landete.

Überraschend zurückhaltend war das Spiel der Platzherren dann in der Schlussphase. Jetzt hatten sie Angst vor der eigenen Courage, so dass die Rot-Weißen über den quirligen, für den gelb-gefährdeten Kevin Großkreutz eingewechselten Martin Stahlberg, wieder Oberwasser bekamen, hieraus jedoch kein Kapital schlagen konnten. „Geht in Ordnung das Remis, auch wenn mir eine Schlussoffensive meiner Elf gefehlt hat“, befand dann auch Paul Linz. Er lag damit auf einer Wellenlänge mit Grover Gibson, so dass sich der Kreis am Ende schloss. Er hofft jetzt auf einen Auswärtssieg in Dortmund, während Rot-Weiß am Samstag Schlusslicht VfB Lübeck ohne seinen Torjäger Lars Toborg im Wersestadion erwartet.

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