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Staatsanwalt fordert lebenslang

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Oldenburg/Telgte – Im Prozess um den tödlichen Holzklotzwurf von Oldenburg haben Staatsanwaltschaft und Nebenklage eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert. „Es ist erwiesen, dass der Angeklagte derjenige war, der den Holzklotz geworfen hat“, sagte Staatsanwalt Stefan Schmidt am Montag in seinem Plädoyer vor dem Landgericht. Nikolai H. müsse wegen Mordes, dreifachen versuchten Mordes und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verurteilt werden.

Der 31-Jährige soll am Ostersonntag 2008 einen fast sechs Kilogramm schweren Klotz von einer Autobahnbrücke geworfen haben. Das Geschoss durchschlug die Scheibe eines Autos und tötete eine Frau aus Telgte bei Münster vor den Augen ihrer beiden Kinder und ihres Mannes. Der Heroinsüchtige hatte die Tat zunächst zugegeben, später widerrief er sein Geständnis.

   Nikolai H. habe den Holzklotz aus Frust geworfen, weil er an dem Tag keine Drogen bekommen konnte, war der Staatsanwalt überzeugt. Bei dem Verbrechen sei der Angeklagte „zielgerichtet und planvoll vorgegangen.“ Er habe gewusst, dass bei der Tat jemand sterben könne. Das Mordmerkmal der Heimtücke sei erfüllt, die Opfer seien arglos gewesen.

Das Geständnis des Angeklagten enthalte Täterwissen, sagte Schmidt. Auch habe die Auswertung der Handydaten des 31-Jährigen ergeben, dass dieser zur Tatzeit in der Nähe der Brücke war. Die Aussagen von zwei Mithäftlingen, Nikolai H. habe ihnen die Tat im Gefängnis gestanden, bezeichnete der Staatsanwalt als „glaubhaft“. Er sehe keine Hinweise für eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten. Es gebe jedoch auch keinen Beleg dafür, eine besondere Schwere der Schuld festzustellen.

Auch für die Nebenklage steht „ohne Zweifel fest“, dass Nikolai H. der Holzklotzwerfer ist. Die Tat sei einfach nicht zu begreifen, sagte der Anwalt der Familie des Opfers, Oliver Niedostadek. Der Witwer war für die Plädoyers erneut zu dem Prozess nach Oldenburg gekommen.

Nach den Schlussvorträgen stellte die Verteidigung einen Befangenheitsantrag gegen die Richter. Die Entscheidung darüber wird am Dienstagmorgen verkündet. Wird der Antrag zurückgewiesen, soll die Verteidigung dann wie geplant ihr Plädoyer halten

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