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Doppelmord von Krailling

Staatsanwaltschaft - Mutmaßlicher Täter hat aus Heimtücke getötet

wn

Krailling - Acht Tage nach dem brutalen Mord an den acht und elf Jahre alten Schwestern im oberbayerischen Krailling hat die Polizei einen Tatverdächtigen gefasst. Die Polizei bestätigte in einer Pressekonferenz am Samstag, dass es ich um "einen 50-Jährigen aus dem nahen sozialen Umfeld" der Mädchen handelt. Laut Oberstaatsanwältin Andrea Titz ist er "dringend tatverdächtig".

Markus Kraus, Leiter der Mordkommission, erklärte am Samstag, dass der mutmaßliche Täter mehrfach bis in die Nacht vernommen worden sei, bislang die Tat aber nicht gestanden hat. Am Samstag soll der Verdächtige noch dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Die Staatsanwaltschaft will einen Haftbefehl wegen Doppelmord beantragen.

Zu den möglichen Motiven der Tat wollte die Mordkommission wegen laufender Ermittlungen noch keine Angaben machen. Laut übereinstimmenden Medienberichten ist der 50-Jährige der Onkel der Schwestern. Thomas S. ist selbst vierfacher Familienvater. Oberstaatsanwältin Titz: „Das Mordmerkmal ist Heimtücke.“ Der Mann habe die Arglosigkeit und Wehrlosigkeit der beiden Mädchen ausgenutzt.

Wie die Mutter auf die neuen Erkenntnisse reagiert hat, wollten die Ermittler nicht sagen. Die Ermittlungskommission wollte ursprünglich erst am Sonntag nähere Angaben zum Fall machen. Der öffentliche Druck sei aber so groß gewesen, dass man bereits am Samstag an die Öffentlichkeit gegangen sei.

Der Mann wurde am Freitagnachmittag zuhause in Peißenberg (Kreis Weilheim-Schongau) von Spezialeinheiten festgenommen. Das hat ein Sprecher der Polizei bestätigt. Bei der Festnahme leistete der Mann laut Staatsanwaltschaft keinen Widerstand.

Eine DNA-Spur habe zum Täter geführt, bestätigte Andrea Titz. Sie zeigte sich zufrieden mit den Ermittlungen: „Das ist gut gelaufen, weil die Polizei fantastische Arbeit geleistet hat.“

Eine Woche hatte die 31-köpfige Sonderkommission „Margarete“ fieberhaft ermittelt. Mehr als 140 Hinweise aus der Bevölkerung wurden geprüft, 80 Speichelproben genommen. Die Polizei bestätigte am Samstag zudem, dass der Täter eine Blutspur am Tatort hinterlassen hat. Er hatte sich verletzt, als er mit dem Messer zustach.

Die Mädchen Chiara und Sharon waren in der Nacht zum Donnerstag vergangener Woche in der unverschlossenen Wohnung ihrer Mutter getötet worden. Die Obduktion stellte an beiden Kindern „vielfältige Gewalteinwirkungen verschiedener Art“ fest. Unter anderem soll der Täter ein Messer und eine Hantelstange verwendet haben. Hinweise auf ein Sexualdelikt gibt es aber nicht.

Am Freitag hatten die Eltern Abschied von ihren Kindern genommen. Die private Trauerfeier in München sei sehr bewegend gewesen, sagte die Kraillinger Bürgermeisterin Christine Borst. Etwa 150 Menschen hätten teilgenommen, unter ihnen viele Angehörige und Freunde der Familie und Klassenkameraden.

Klassenkameraden von Chiara und Sharon hatten die Särge bemalt. Blumen und ein Löwenkopf waren darauf zu sehen sowie Worte wie „Keiner wird dich je vergessen“ oder „Machs gut, du freche Maus“. Wann die Mädchen beigesetzt werden, war noch unklar.

(mit Material von dpa)

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