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Lokales

Stadt ist wie leergefegt

Gabriele Hillmoth

Münster - Es ist kurz vor 13.30 Uhr in der Stadt. Stefanie Lepold ist außer Atem. Eine Dreiviertelstunde habe sie gebraucht, um in die Stadt zu kommen. Im Markcafé wartet ihr Freundeskreis auf sie. Mit Anpfiff des WM-Fußballspiels Deutschland gegen Serbien sind nur noch wenige Menschen in der Innenstadt unterwegs - meistens Frauen oder Besucher, die sich - wie Irene Otto und Gisela Bublitz aus Hannover - die Stadt ansehen.

Wie leergefegt ist der Prinzipalmarkt. Nur die „Stadtbahn“ zieht ihre Runden. Im „Pfefferkorn“ sitzen drei Gäste draußen und genießen den Rund-um-Service der Mitarbeiter, die während des Spiels in der Außengastronomie kaum was zu tun haben.

Für sie sei es keine Strafe, dass sie jetzt arbeiten muss, sagt Verena Kablitz von Blumen Beckonert. Ihre Kollegin Anita Müllmann sitzt dagegen auf heißen Kohlen, denn ihr Mann holt sie erst in der Halbzeitpause ab.

Im Modehaus Schnitzler riskieren die Mitarbeiter manchen Blick auf den Fernseher. „Klose, das musst du nicht machen“, Erika Schwalbe schüttelt den Kopf. Mit ihr verfolgen Hugh Valdes-Scott, von der Belegschaft als Mr. Bean von Schnitzler vorgestellt, und Julia Zellerhoff das Spiel.

Ein Damenteam hält in der Sparkasse die Stellung. Das sei Zufall, sagt Birgit Leyendecker. Sie baut auf den „Buschfunk“ der Kollegen, die vor dem Fernseher sitzen.

Nebenan in der Fleischerei Hidding haben fünf Frauen Dienst, „die keinen Nervenzusammenbruch erleben, weil sie keinen Fußball sehen“, so Chefin Andrea Runge. Bei Kösters hat sich Chef Jan Eismann in sein Trikot geworfen. Mitarbeiterin Stefanie Hopf hat ihre Glücksbringer angelegt und drückt gemeinsam mit Ruth Schulze die Daumen - auch dafür, dass sie bei der Tipp-Runde gut abschneiden.

Katharina Hoffstädt hat sich extra zum Stadtbummel aufgemacht. Sie sei zwar fußballinteressiert und frage darum immer wieder nach dem aktuellen Stand, trotzdem genieße sie die ruhige Stadt. Auf die zweite Halbzeit möchte aber auch sie nicht verzichten. Freiwillig springt dagegen Rainer Schäfer für den Chef und Fußball-Fan von Lotto Abeling ein.

Enttäuscht ist Christine Ingermann. Sie muss per Lautsprecher bei Petzhold die Hiobsbotschaft vom Tor für Serbien übermitteln. „Mit Trauer in der Stimme.“

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