1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Stadtwerke setzen auf Wind-Ernte im großen Stil

  6. >

Millionen-Investition

Stadtwerke setzen auf Wind-Ernte im großen Stil

Dirk Anger

Münster/Detmold - Da stehen sie, unübersehbar schon von Weitem, mitten auf dem Acker der lippischen Hügellandschaft. Wie zwei ausgewachsene Spargelstangen mit Propeller. Mehr als 100 Meter strecken sich die beiden neuen Stadtwerke-Windräder in den stahlblauen Himmel.

Es herrscht Festtagsstimmung auf der Erde, als Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Andreas Hoffknecht den „Windenergiepark Detmold-Mönkeberg“ am Freitag offiziell in Betrieb nimmt. Gesamtinvestition: sieben Millionen Euro. „Eines der ersten Projekte, die wir im Rahmen unserer neuen Strategie umsetzen.“ Bis zum Jahr 2020 wollen die Stadtwerke schließlich 250 Millionen Euro in erneuerbare Energien investieren.

Eigentlich läuft die Windernte in der kleinen Ortschaft Brokhausen fünf Kilometer vor Detmold schon seit dem Jahreswechsel. Doch hatten die Kommunalpolitiker den Stadtwerken nicht erst vor zwei Tagen das Atomstrom-Verbot ins Stammbuch geschrieben? Einen besseren Termin für die Einweihung als diesen Freitag hätte es also kaum geben können.

Drinnen im Stahlrohrturm ruckelt ein enger Zwei-Mann-Aufzug gut fünf Minuten nach oben. Die letzten Meter aber bis nach ganz oben führt nur die Alu-Leiter. Gesichert wie ein Bergsteiger klettert Hoffknecht in die Höhe. Hier wird der Wind geerntet - von den drei jeweils 46 Meter langen Rotorblättern.

Neun Millionen Kilowattstunden im Jahr sollen die beiden großen Windfänger mit der Technik, die dahinter steckt, an Strom produzieren. Das reicht für 2500 Haushalte. Und spart somit 6700 Tonnen Kohlendioxid ein. Was wiederum etwa dem Verbrauch von 2,5 Millionen Liter Diesel entspricht, wie die Stadtwerke stolz vorrechnen.

Das 150 Tonnen schwere Maschinenhaus oben, das vom Boden aus eher wie ein Streichholzkästchen wirkt, schaukelt ganz seicht im Wind. Der Blick durch die Dachluke fällt auf die zweite Spargelstange nebenan. Auf dem Acker wirft sie ihren Schatten.

Am Fuß des Windrades neben dem massigen Fundament plauschen die Nachbarn bei Pils und Würstchen auf Kosten der Stadtwerke. Begeistert sind sie von der neuen Anlage nicht. „Optische Luftverschmutzung“, sagt einer, der andere klagt über das Rauschen. Dr. Andreas Hoffknecht weiß um die Beschwerden. „Es ist ein schwieriger neuer Weg.“ Am meisten freut er sich deshalb über den Spielzeugtraktor von Brokhausens Ortsbürgermeister: „Alte gegen neue Energie“.

Startseite