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Heim und Schule im Kongo

Starke Schultern für Straßenkinder

Münster - Eine Menschenpyramide. Jeder hat seinen Platz darin. Die Starken tragen die Schwachen. Die Artisten können sicher sein: Das gibt Applaus. Das Bild aus Lubumbashi im Kongo zeigt Kinder und Jugendliche der Tanztruppe Mutoto Chaud. Manche von ihnen haben früher auf der Straße gelebt. Ohne Hoffnung auf Bildung und Job. Der Hunger war ihr Begleiter. Dass sie nun hoffen...

Günter Benning

Münster - Eine Menschenpyramide. Jeder hat seinen Platz darin. Die Starken tragen die Schwachen. Die Artisten können sicher sein: Das gibt Applaus.

Das Bild aus Lubumbashi im Kongo zeigt Kinder und Jugendliche der Tanztruppe Mutoto Chaud. Manche von ihnen haben früher auf der Straße gelebt. Ohne Hoffnung auf Bildung und Job. Der Hunger war ihr Begleiter.

Dass sie nun hoffen können, verdanken sie einem Verein aus Münster: Mutoto - das heißt Kind - hat in Lubumbashi im Süden Kongos ein Internat gegründet, eine Grundschule - und ein kleines Radiostudio.

Richard Nawezi kennt den Kongo. Der Gründer und Vorsitzende von Mutoto wurde in Lubumbashi geboren. Er studierte in Europa, erhielt zur Zeit der Mobuto-Diktatur Asyl in Deutschland. Mit seiner Frau, Gunda Klöpping, und den beiden Söhnen lebt er in einem Reihenhaus in Münster. Er könnte es bequem haben.

Aber als er vor elf Jahren zum ersten Mal wieder in seine Heimat fuhr, erschütterte ihn die Armut der Straßenkinder. Kinder wie Cherubim Ngoy: „Er war damals neun Jahre alt. Sein Vater war umgebracht worden.“ Der Junge hatte psychische Probleme.

Nawezi wollte helfen. Er gründete den Verein Mutoto e.V., der zunächst Straßenkinder unterstützte, die in Heimen lebten.

Doch schon 2003 konnte man ein vier Hektar großes Grundstück kaufen, zwei Jahre später stand dort das erste Gebäude. Ein Heim für derzeit 18 Straßenkinder.

Auch Cherubim Ngoy lebt dort. In der Theatergruppe „Mutoto Chaud“, die Nawezi gleich mitgegründet hat, ist er ein Vorzeigetänzer. Demnächst soll er sogar die Akademie der Schönen Künste besuchen.

Cherubim - das ist eine Erfolgsgeschichte. Aber das Elend bleibt groß. Der Junge macht sich Sorgen um seine Schwester, die sich mit 15 Jahren allein durchschlagen muss. Dass schon 14-Jährige schwanger werden, ist keine Seltenheit in der Kongo-Großstadt. Die Hilfen bleiben Tropfen auf dem heißen Stein.

Das Mutoto-Projekt hat sich entwickelt. Über 100 Kinder besuchen die Grundschule auf dem Gelände. Hier ist die Schulgebühr extrem gering: zwei Euro im Jahr.

86 Mitglieder hat Nawezis Verein, aber die Finanzierung des Projekts im Kongo ist in den vergangenen Jahren deutlich schwieriger geworden. Mit 4000 Euro im Monat wird das Heim bezahlt und das Personal honoriert. Als im vergangenen Jahr das Geld knapp wurde, hatte das gleich Auswirkungen. Die Kinder in Lubumbashi erhielten zeitweise nur noch eine - und dazu einseitige - Mahlzeit am Tag.

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