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IVZ-Lokalfenster - Tecklenburger Land

Stärke statt Mangel

Michael Baar

Lengerich - „Wir sind aus einer starken Position heraus in die Verhandlungen gegangen.“ Selbstbewusstsein spricht aus der Stimme von Heinke Falkenstein-Sorg. Die kaufmännische Direktorin der LWL-Klinik Lengerich verspricht sich Vorteile von der Kooperation der Neurologischen Abteilungen Lengerich und am Klinikum Ibbenbüren.

Was der Grund für die Gespräche mit den Nachbarn gewesen ist? Das Einzugsgebiet der Lengericher Abteilung ist relativ klein. „Vom Leistungsspektrum her sind die Bürger optimal versorgt“, betont Chefarzt Dr. Florian Bethke. Doch die Randlage im Kreis Steinfurt macht das Wirtschaften für die Lengericher nicht gerade einfach.

Den Ibbenbürenern, die die zweite Neurologische Abteilung im Kreis Steinfurt vorhalten, gehe es da nicht viel anders. Die Zusammenarbeit erscheint da fast als logische Schlussfolgerung. Doch es spielt noch ein weiteres Argument eine gewichtige Rolle: „Dass es bald an Hausärzten mangelt, ist den Bürgern durchaus bewusst. Das die Situation an Krankenhäusern mindestens so prekär ist, wissen viele Menschen gar nicht“, erläutert Florian Bethke im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten.

Setze sich diese Entwicklung fort „bin ich mir sicher, dass eines Tages ganze Abteilungen auf Grund von Ärztemangel geschlossen werden müssen“, ergänzt der Neurologe. Auf seinem Fachgebiet soll dieser Fall vermieden werden. Deshalb die Zusammenarbeit mit den Nachbarn.

Was das konkret für die Neurologie in Lengerich - angesiedelt in der Helios-Klinik - bedeutet? „Wir haben uns zwei Jahre Zeit gesetzt, um ein Konzept für das weitere Vorgehen zu entwickeln“, berichtet Heinke Falkenstein-Sorg. Das heiße ganz klar, dass es in Lengerich weiter ein neurologisches Angebot geben werde. Wie das aussehen wird, müsse sich zeigen.

Dass auf Dauer allerdings nur an einem Standort ein stationäres Angebot vorgehalten werde, sehen sie als eine der Auswirkungen der Kooperation. „Nur ein Bereitschaftsdienst, nur eine Rufbereitschaft“, zählt Florian Bethke einen Vorteil auf. Ein weiteres Argument, dass auf die ärztliche Versorgung Auswirkungen haben soll: Eine Abteilung mit 72 Planbetten ist für Mediziner attraktiver als eine kleine mit 35 oder 37 Betten.

Auf mittlere Sicht soll es bei der Kooperation nicht bleiben. Heinke Falkenstein-Sorg schwebt ein Zentrum für Neuro-Medizin vor. Psychiatrie, Psychosomatik, Neuro-Radiologie und -Chirurgie unter einem Dach. Das würde nach ihrer Einschätzung die Versorgung der Bürger erheblich verbessern.

Dass in Lengerich ein Ansprechpartner vor Ort bleiben wird, steht für die beiden außer Frage. Schließlich hat sich die Neurologie prächtig entwickelt. Beim Start vor acht Jahren sind gut 600 Patienten im Jahr behandelt worden. In diesem Jahr werden es wohl über 1500 sein. Hinzu kommt die stroke unit, die Einheit für die Erstversorgung von Schlaganfall-Patienten. Dort hat Florian Bethke mit seinem Team eine Vorreiterrolle im Kreis Steinfurt übernommen - dicht gefolgt von Ibbenbüren.

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