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yangofamily Kinderkolumne

Statt Karten

Ansgar Griebel

- Prolog: Wir sind im Urlaub und eigentlich soll ich nicht arbeiten. Eine befristete Sondergenehmigung erteilte Olivia unter zwei Bedingungen. Erstens: Schreib nicht wieder nur über schlechtes Wetter. Zweitens: Versuch, dieses Mal zu vermeiden, dass dich hinterher alle auf unseren Katastrophenurlaub ansprechen.

Ich versuch´s.

1. Tag.

Wir ahnen, warum in den Niederlanden alle Häuser so schmal sind: Weil die hier üblichen steilen Treppen sonst mitten im freien Raum enden würden. Auch unser Häuschen ist mit so einer Extrem-Klettertour ausgestattet, die selbst die Huber-Buam nicht ohne Seil und Steigeisen in Angriff nehmen würden. Helene ist da nicht so zimperlich. „Ich bergsteige“, sagt die Zweijährige und macht sich auf den Weg. Noch ist nichts passiert und wir notieren einen wunderschönen ersten Urlaubstag.

2. Tag.

Verstärkung naht: Freunde bringen nicht nur Elisabeth (6) und Marlene (2) mit, sondern auch eine vielversprechende alte Volksweisheit. Gibt es genügend Blau am Himmel, um eine Hose draus zu nähen, dann wird das Wetter gut, heißt es da. Zwischen zwei Schauern nähen wir eilig acht blaue Höschen und träumen von herrlichen Tagen am Strand.

3. Tag.

Unser Vertrauen in alte Volksweisheiten ist zerstört. Wir nähen uns Regenumhänge, Schirme und auf Vorrat einige Rettungsboote und Abdeckplanen. Die beiden Zweijährigen nutzen den Tag, um ihre Besitzstände zu markieren. Zudem wird festgelegt, dass vorerst keine Ausleihgeschäfte vorgesehen sind („Du darfst das nicht, das ist meins!“). Abends scheitern wir bei dem Versuch, unser Haus zu beheizen. Wir wickeln uns in unsere Decken und beenden den nächsten schönen Tag.

4. Tag.

Ein Ausflug in den Freizeitpark. Irgendwann sind zwei Mütter mit vier Kindern im Karussell - wir Väter sitzen in der Sonne auf wackeligen Plastikstühlen, essen die fettigen Reste ungesalzener Pommes und wundern uns, wie wenig dazugehört, uns glücklich zu machen. Am Abend sehe ich heimlich die Wettervorhersage, darf´s aber keinem erzählen, weil ich dann wieder schuld gewesen wäre, dass es am ...

5. Tag aus Kübeln regnet.

6. Tag.

Ein Tag am Meer: Die Sonne scheint, und nach gefühlten 100 Stunden Baywatch vermisse ich ein wenig den Regen. Der Tag wäre für diese Kolumne ein Totalausfall, wenn Elisabeths Vater nicht beim Abendessen auf der Terrasse des besten Restaurants vor Ort in die Flugbahn einer inkontinenten Möwe geraten wäre. Stehender Applaus vom Nebentisch, unsere Kinder lernen ein paar neue Schimpfworte. Der Himmel hängt voller blauer Hosen. Liebe Grüße von

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