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Filmrezensionen

„Stellet Licht“: Metaphysisches Drama

Wenn es außergewöhnliche Filme gibt, dann ist das in Cannes 2008 mit dem Preis der Jury ausgezeichnete Drama „Stellet Licht“ des Mexikaners Carlos Reygadas einer. Seine Kraft wächst aus Bildern, die an den Filmphilosophen Andrej Tarkowskij („Stalker“...

Hans Gerhold

Wenn es außergewöhnliche Filme gibt, dann ist das in Cannes 2008 mit dem Preis der Jury ausgezeichnete Drama „Stellet Licht“ des Mexikaners Carlos Reygadas einer. Seine Kraft wächst aus Bildern, die an den Filmphilosophen Andrej Tarkowskij („Stalker“) und die Suche nach der „versiegelten Zeit“ erinnern.

In einer Mennoniten-Gemeinde im Norden Mexikos, wo die seit dem 16. Jahrhundert aus der Schweiz eingewanderten Protestanten sich ihren eigenartigen „plattdiutschen“ Dialekt bewahrt haben, stirbt die Frau des Bauern Johan, der eine andere Frau liebt, an gebrochenem Herzen. An ihrem Sarg geschieht ein Wunder: Als die Geliebte sie küsst, wird sie wieder lebendig.

Die Geschichte ist von Carl Theodor Dreyers Klassiker „Das Wort“ (1955) inspiriert, in den langen ruhigen Einstellungen aber völlig eigenständig. Selten hat man derart faszinierende Bilder von Sonnenaufgang, Weizenfeldern und Steppenlandschaften gesehen. Das Licht allein verleiht dem Film eine Dimension, die man als metaphysisch bezeichnen muss. 136 Minuten sehenswert.

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