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Stoiber macht aus seinem Zorn über die Manager keinen Hehl

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Recke - Altersmilde? Dieser Polit-Pensionär ist nicht altersmilde, er ist angriffslustig: Er keilt aus, wie es sich bei einem politischen Aschermittwoch gehört. Was der bayerische Ex-Ministerpräsident über Jahrzehnte in Passau gelernt hat, setzt der 67-Jährige in Recke um. Bei der größten Aschermittwochsveranstaltung des Nordens zieht Edmund Stoiber „vom Leder“ - zur Begeisterung seiner 3000 Zuhörer.

Doch Stoibers Zorn trifft weniger den politischen Gegner. Dafür sei in einer „Problemsituation, die man nur vergleichen kann mit der Weltwirtschaftskrise 1929“, nicht die richtige Zeit. Stoibers Zorn trifft die Verantwortlichen für die Wirtschaftskrise. „Ich bin zutiefst empört, was hier Manager gemacht haben, die uns in diese Krise manövriert haben.“ Eigentlich erwarte er, dass endlich einer der Banker sich entschuldigt, dass er das Geld der Steuerzahler „verbrannt“ habe. „Das muss auch mal kommen“, forderte Stoiber unter tosendem Beifall. „Boni und Staatsgelder zugleich - das darf diesen Leuten wirklich nicht mehr durchgehen“, verlangt er klare Regeln.

„Wir müssen die Finanzordnung gewaltig ändern, um wieder Vertrauen bei den Menschen zu schaffen“ mahnt er eine „Rückbesinnung auf die soziale Marktwirtschaft“ an. „Es muss aufhören, dass man mit Geld leichter Geld verdienen kann als mit dem Herstellen von Waren“, polterte Stoiber.

Dann bekommt der politische Gegner doch sein Fett weg: „Steinmeier ist wie er ist, ein Schröder-Verschnitt.“ Und: „Die große Koalition muss mit der Bundestagswahl beendet sein. Das tut der Demokratie nicht gut!“

Und zu den Linken: Wer 40 Jahre den Osten Deutschlands ruiniert habe, darf „niemals mehr eine Verantwortung in Deutschland übertragen werden“. Süffisant verweist Stoiber zugleich darauf, dass die SPD zwar sage, „mit der Linken nie“, aber ihre Bundespräsidenten-Kandidatin Gesine Schwan um die Stimmen der Linken buhlen lasse.

Wenn er Volksabstimmungen über wichtige Fragen der Europäischen Union fordert, etwa über den Beitritt der Türkei, da kommt vor lauter Jubel fast ein Hauch Passau auf - auch wenn auf den Tischen kleine Gläser stehen statt massiger Maßkrüge.

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