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MV Namensforscher

Strakeljahn war „stracke Johann“

wn

Leserin Hildegard Strakeljahn aus Rheine weiß nicht, woher der Name Strakeljahn kommt. Der Familienname wird von knapp 500 Personen getragen, die überwiegend im westfälischen Sprachgebiet leben. Die stärkste Konzentration des Namens ist im ostwestfälischen Kreis Herford festzustellen, hier lebt fast ein Viertel der Namensträger. Auch in den Landkreisen Gütersloh und Osnabrück ist der Name Strakeljahn recht häufig. An ähnlichen Namen finden sich heute noch die sehr seltenen Schreibvarianten Strakeljan und Strackeljan, die historisch bezeugte Namensform Strackeljahn ist heute nicht mehr nachzuweisen.

Strakelja(h)n ist in Strakel- und -ja(h)n zu gliedern, es handelt sich um einen von mehreren Familiennamen, die die Kurzform -jan/-jahn des Rufnamens Johann enthalten. Dass -ja(h)n tatsächlich „Johann“ meint, ergibt sich aus den Namenvarianten Strakeljohan und Strackeljohann, die im 18. Jahrhundert neben Stra(c)kelja(h)n existierten. Bei einer weiteren Variante aus dieser Zeit wurde Strackelgahn geschrieben. Diese Entstellung von -jan zu -gan ist für mehrere Namen zu finden, zum Beispiel bei Müllegan „Mühljohann“ und den zugehörigen Genitivnamen Müllegans und Mülleganz (neben Müllejans).

Was bedeutet nun Strakel? Das älteste Zeugnis von Strakeljan geht nur bis ins Jahr 1688 zurück. Erheblich früher und auch deutlich häufiger sind ähnliche Namen mit Straker-/Stracker- bezeugt, die in den gleichen Orten existierten, wo später Stra(c)kelja(h)n erschien.

Der Familienname Strackerjan, heute auch Strackerjahn und Strakerjahn (früher auch Strakerjan, Strackerjann, Stra(c)kerian, Stra(c)krian und Strakriann), ist eindeutig zu analysieren. Gemeint ist „stracker Jan“, der Name ist gebildet wie Guderja(h)n/Guderjann/Guderian „guter Jan“ und Roderian „roter Jan“.

Zugrunde liegt das Adjektiv strack „gerade, straff, steif“, das heute in vielen Regionen Deutschlands ungebräuchlich geworden ist. Im Mittelniederdeutschen, der niederdeutschen Sprache in der Zeit, als die Familiennamen entstanden, hatte das Adjektiv strak neben der Grundbedeutung „gerade“ noch eine erheblich größere Bedeutungsbreite. Bezogen auf Personen bedeutete strak „aufrecht, zuverlässig, unbeirrbar; gesund, kräftig; eigenwillig, starrköpfig, störrisch; abweisend, schroff, unzugänglich; ungnädig“.

Von welcher dieser Bedeutungen der Beiname Strackerjan „stracker Jan“ ausgegangen ist, kann ohne Informationen aus der Zeit des ersten Namensträgers nicht geklärt werden. Da in einigen niederdeutsch-westfälischen Wörterbüchern die Bedeutungen „gerade“ und „störrisch“ hervorgehoben wurden, kann man einerseits an einen Jan mit auffällig gerader, steifer Körperhaltung denken, andererseits an eine Person mit störrischem, widerspenstigem Gemüt.

Strakeljan ist offenbar bei einigen Familien aus Strakerjan umgeformt worden. Ob dies als Anpassung an eines der beiden erst spät bezeugten Wörter strakeln (1. „streicheln, schmeicheln“, 2. „(sich) dehnen, strecken“) geschah, bleibt unklar.

Winfried Breidbach

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