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Streitfall: Ist Michael Ballack zu ersetzen?

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Pro: Ja, Michael Ballack ist zu ersetzen! <1> Von Tobias Nordmann Der Aufschrei ist groß: Michael Ballack fällt für die Weltmeisterschaft in Südafrika aus! Schock! Katastrophe! Entsetzen! Die Angst vor dem Scheitern beim Fußball-Fest am Kap ist groß, aber warum eigentlich? War Michael Ballack in den letzten Jahren unumstrittener Superstar, unverzichtbarer Mittelfeldstratege oder gar Heilsbringer? Mitnichten! Der 33-Jährige stand immer wieder in der Kritik, sich in entscheidenden Spielen zu verstecken oder galt gar als Hemmschuh für ein flottes Offensivspiel. Ballack kann ein Spiel nicht an sich reißen, der Spielertyp Ballack funktioniert nur dann, wenn das Kollektiv gut funktioniert. <2>Das Stichwort „Kollektiv“ ist eines der zentrale Elemente in der Fußball-Philosophie von Bundestrainer Joachim Löw. Und in einem Kollektiv ist (fast) jeder ersetzbar. Bayern hat das vor allem in der Rückrunde unter Beweis gestellt. Aber auch Champions-League-Finalist Inter Mailand und der FC Barcelona haben ihren sportlichen Erfolg einem funktionierenden System und einer sportlichen Leitidee zu verdanken, nicht der Fokussierung auf einzelne Spieler! Nun heißt es für den Bundestrainer mit dem vorhandenen Spielermaterial die sportlich beste Lösung im Sinne seiner Spielphilosophie zu finden. Und an Alternativen mangelt es dem Bundestrainer trotz der Absage von Simon Rolfes und den Nichtnominierungen von Thomas Hitzlsperger und Torsten Frings nicht. Gesetzt ist Bastian Schweinsteiger vom FC Bayern München, der sich in dieser Saison nicht nur sportlich, sondern auch als Führungsspieler enorm weiterentwickelt hat. An seiner Seite könnte der offensive Toni Kroos agieren. Der 20-Jährige hat bei Leverkusen eine bärenstarke Saison gespielt und nachgewiesen, dass er als Mittelfeldstratege das Tempo einer Mannschaft bestimmen kann. Die defensivere Variante wäre Sami Khedira. Der Stuttgarter wird von zahlreichen europäischen Topmannschaften beobachtet und gilt als kommender Mann auf der Sechser-Position – nicht nur in Deutschland. Für beide spricht ihre moderne Auffassung von schnellem, passsicherem und offensiv gedachtem Fußball. Denkbar wären auch Varianten mit Mats Hummels oder Heiko Westermann, die auf dieser Position im Verein schon durchaus zufriedenstellend gespielt haben. Die Ideallösung wäre allerdings Torsten Frings. Das Arbeitstier vom SV Werder Bremen wäre die perfekte Ergänzung zu Schweinsteiger und das deutsche Äquivalent zu dessen Vereinspartner Mark van Bommel. Zudem ist Frings international erfahren und würde als Führungsspieler eine wichtige Rolle in der Teamhierarchie einnehmen. Jogi, spring über deinen Schatten und gib dem „Lutscher“ eine Chance! Lesen Sie auf der zweiten Seite, warum Michael Ballack nicht zu ersetzen ist... Contra: Nein, Michael Ballack ist nicht zu ersetzen! Von Thomas Ottensmann <3>Es war High Noon, als die Hiobsbotschaft ganz Fußball-Deutschland erschütterte: Michael Ballack fällt für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika aus. Das schwere Foul, ach, sagen wir doch, wie's ist: die Tätlichkeit von Kevin Prince Boateng im englischen Pokalfinale bescherte dem 33-Jährigen einen Riss des Innenbandes sowie einen Teilriss des vorderen Syndesmosebandes am rechten Sprunggelenk. Aus. 27 Tage vor dem ersten Gruppenspiel der Nationalelf gegen Australien. Ist Ballack, der große Stabilisator im zentralen Mittelfeld überhaupt zu ersetzen? Und wenn ja, von wem? Bastian Schweinsteiger? Der könnte den Ersatz-Ballack geben. Quasi die große Sechs. Schließlich spielt er diesen Part ja bei den Bayern neben Mark van Bommel schon längst – und zwar extrem erfolgreich. Aber wer übernimmt dann den defensiven Part? Torsten Frings? Diesen Schritt zurück kann Jogi Löw jetzt nicht mehr gehen, nach all den Verbal-Fouls, die sich der Bremer nach seiner endgültigen Ausbootung in der DFB-Elf leistete. Und: Man darf auch gar nicht mehr davon ausgehen, dass Frings jetzt überhaupt noch Lust hätte, die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Zumal sein Kumpel Ballack ja nicht dabei ist. <4>Özil, Marin, Trochowski, Kroos – alle eher offensiv ausgerichtet. Kehl? Verletzt. Rolfes? Verletzt. Hitzlsperger? Kein Thema. Wenn Jogi Löw mutig ist, lässt er Toni Kroos und Bastian Schweinsteiger nebeneinander spielen. Aber zwei (gelernte) Offensive? Einen 20-Jährigen neben einem 25-Jährigen? Und dass der Bundestrainer einem Debütanten die Chefrolle im Mittelfeld überlässt, ist ohnehin eher unwahrscheinlich. Bleibt eigentlich nur einer: Schweinsteiger. Genau. Bastian Schweinsteiger hat bewiesen, dass er die Rolle der kleinen Sechs im Bayern-Mittelfeld höchst effektiv besetzen kann. Wenn der Chef mal wieder gesperrt war. Also spielt Schweinsteiger die kleine Sechs zur Absicherung der großen Sechs, auf der auch Schweinsteiger spielt. Der Häuptling fällt aus, eine Nachfolgeregelung existiert nicht, die Dominokette ist in Bewegung. Jogi Löw sagte nach der Hiobsbotschaft: „Wir sind überzeugt, dass wir eine gute WM spielen.“ Diese Meinung hat er am 17. Mai 2010 ziemlich exklusiv. Das Projekt „Vierter Stern“ ist in höchstem Maße gefährdet.

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