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Lenz Musik

Stress bei Robbies Plattenfirma: Aufstand im Karteikasten

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Häufig ist es am besten, man erzählt eine Geschichte von Anfang an. Die aktuelle Krisenstory rund um die britische Plattenfirma Emi, bei der Stars wie Robbie Williams, Coldplay oder Kylie Minogue unter Vertrag sind, hat allerdings zwei Anfänge. Der eine hat damit zu tun, dass die Branche nicht so schnell von Plattenverkäufen auf Downloads umgeschaltet hat wie die Musikfreunde in der Welt. Die Branche hinkt noch immer hinterher und verkraftet die Einbrüche bei den CD-Verkäufen nur mühsam.

Der andere Anfang der Story hat mit einem Mann zu tun, der Guy Hands heißt. Er hat mit seinem Unternehmen Terra Firma die Plattenfirma aufgekauft – und angekündigt, sie mit heftigen Maßnahmen sanieren zu wollen. Die Etats für das Marketing, über das viele neue Bands erst bekannt gemacht werden können, sollen mächtig schrumpfen. 2000 der 4400 Stellen in der Musiksparte stehen auf der Kippe. Nach Agenturberichten könnten auch viele der 14 000 Künstler und Bands ihre Verträge verlieren.

So wie die Hollywood-Schauspieler für die streikenden Drehbuchautoren in die Bresche springen, tun das im Fall von Emi die Zugpferde unter den Künstlern. Robbie Williams ließ über seinen Manager verkünden, er wolle sich mit seinem nächsten Album Zeit lassen. Solange bis die Strategien des Emi-Eigentümers wieder künstlerfreundlicher werden.

Zwar hatte Robbie mit seinem letzten Album nicht den Erfolg früherer Silberlinge. Dennoch gehört er nach wie vor zu den schillerndsten Stars im Karteikasten der Firma. Obendrein haben sich Coldplay den protestierenden Worten angeschlossen. The Verve sollen ihr Comeback auf Eis gelegt haben. Im Mai läuft der Vertrag der Rolling Stones aus, aber die Herren haben signalisiert, dass sie sich vielleicht den Aussteigern anschließen wollen. Fürs Erste erscheint ihr nächstes Live-Album, das zugleich ein Film-Soundtrack ist, beim Konkurrenten Universal.

Neue Wege? Nie ging das besser als heute. Längst sind nicht mehr Plattenfirmen das Tor zur großen Welt. Geld wird online und mit Konzerten verdient. Madonna steckt nicht mehr mit einer Plattenfirma unter einer Decke, sondern produziert, vertreibt und präsentiert ihre nächsten Platten unter dem Dach einer Konzertagentur. Radiohead waren mal bei Emi, doch beide Seiten bekamen keinen neuen Vertrag auf die Reihe. Dann brachten die Jungs ihr Album „In Rainbows“ allein als Download auf der Band-Homepage heraus. Das Herunterladen sollte so viel kosten, wie es den Usern wert war. „So wird’s gemacht!“, raunte die Branche anerkennend.

Und noch ein Paukenschlag sitzt Emi in den Knochen: Im vergangenen Jahr hatte Paul McCartney das Unternehmen verlassen, mit dem seine Beatles viele ihrer großen Hits schmiedeten. Für eine Coffeeshop-Kette, die sein Album neben Muffins, Milch und Zucker verkaufte.

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