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Klassiker auf Rädern

Strotzt vor guter Wertarbeit

Ulrich Reske

Greven - Puristen unter den Oldtimer-Eignern mögen ein wenig mit den Augenbrauen zucken, denn kein Original-250er Einspritzer, sondern ein 220er-Diesel-Aggregat treibt den W 114/8 an. Klaus Feldmann allerdings ficht das nicht an. Sein Mercedes-Coupé, Bj 72, ist ihm mehr als ans Herz gewachsen. „Den geb´ ich nie mehr her.“ Warum sollte er auch, denn der Mercedes, der als legitimer Nachfolger des legendären Heckflossenmodells 1968 in Produktion ging, ist schon seit 23 Jahren im Besitz des Ingenieurs, der als Tiefbauer bei der Stadt arbeitet. „Als Student habe ich den Wagen 1973 einer alten Dame abgekauft.“ An den Preis mag man kaum glauben: 1700 Mark blätterte der Junge, der schon immer ein Faible für schöne Autos hatte, auf den Tisch, und der „Strich-Achter“ gehörte ihm.

Das Potenzial des Fahrzeugs hatte der junge Feldmann schon damals erkannt. „Das erinnerte an die alte Ponton-Form, wertig und stabil.“ Das Alte-Damen-Auto hatte das Zeug zu einem Klassiker.

Der steht heute in einer Scheune unweit des Max-Clemens-Kanals. Fahrbereit und restauriert. Aber nur in Betrieb, wenn die Feldmanns eine Spitztour unternehmen. Spazierfahrt bei schönem Wetter. Die Kinder lieben Papas alte Autos, die Ehefrau geht ein wenig auf wohlwollende Distanz. Wohl auch, weil der Oldtimer-Liebhaber und Ehemann gleich ein automobiles Trio im Bestand hat. Arbeitszeit und Kosten sind bei diesem Hobby nicht ganz zu vernachlässigende Faktoren.

Doch in das kantige Coupé mit dem cremefarbenen Bakelit-Lenkrad ist die meiste Arbeit bereits investiert. Gemeinsam mit seinem Kumpel Michael Lamboury, Stadtprinz Michael I., hat Feldmann Ende der 80er Jahre viele Wochen an und unter dem Auto zugebracht. „Der Michael war ein prima Schrauber und hat sich damals mit solchen Arbeiten sein Theologiestudium finanziert.“

Neue Bleche wurden eingeschweißt, die stumpf gewordene Silber-Lackierung durch ein kräftiges Blau ersetzt. „904, Original-Mercedes-Lackierung, versteht sich.“

Eine böse Überraschung erlebte der Ingenieurstudent Feldmann bei einem der ersten Ausflüge mit dem fahrbaren Renommierobjekt. Als er das elektrische Schiebedach auffahren wollte, löste sich das schwere Teil und knallte, nur noch an einem Stahlseil befestigt, auf das Dach des Coupés. Irgendjemand hatte wohl unsachgemäß die Führungsschienen ausgetauscht, erinnert sich Autofreund Feldmann an das Schiebedach-Debakel.

Doch ansonsten strotzt das Modell vor guter Wertarbeit: Die chromblitzenden Doppelstoßstangen, das dickwandige Blech, die schweren Türen - Gründe, die für den Mercedes-Oldtimer sprechen. Na klar, auch eine französische DS-Limousine würde Feldmann Freude bereiten. „Doch da muss man immer einen Techniker zur Hand haben.“ Mercedes-Leute werden´s gerne hören. Nur ein Mal wagte Feldmann den automobilen Seitensprung: Doch ein Jahr Opel Kadett reichte.

Warum aber hat Klaus Feldmann die Oldtimer-Sünde begangen und die Originalmaschine gegen einen Trecker-Diesel ausgetauscht? Ganz einfach: Als Feldmann den Wagen erwarb, hatte der schon eine Doppelvergasermaschine als Ersatzmotor. „Die verbrauchte so viel Sprit, dass es mir als Student die Haare vom Kopf gefressen hätte.“ Also kam der tuckernde Diesel in das edle Coupé. Nichts für Oldtimer-Puristen. Für Klaus Feldmann aber Quell immerwährender Auto-Freuden.

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