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Missbrauch durch Mitschüler

Studie über sexuellen Missbrauch: Übergriffe in vielen Schulen und Heimen

wn

Bonn/Berlin - In 80 Prozent der deutschen Kinder- und Jugendheime sowie in 50 Prozent der Schulen hat es in den vergangenen Jahren Verdachtsfälle sexuellen Missbrauchs gegeben. Täter waren vor allem Mitschüler und Mitbewohner. Das ergab eine am Mittwoch vorgestellte Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Die Untersuchung stützt sich auf freiwillige Angaben von rund 1100 Schulleitern, etwa 700 Lehrern, 325 Heim- und 100 Internatsleitungen.

50 Prozent der Schulleiter und Lehrer berichteten, dass sie in den vergangenen Jahren mit mindestens einem Verdachtsfall zu tun gehabt haben. Von den Verantwortlichen in Internaten sagten dies knapp 70 Prozent, in Heimen waren es 80 Prozent. „Die Täter sind überwiegend männlich, die Opfer Mädchen“, berichtete Alexandra Langmeyer, Mitautorin der Studie.

Der größte Teil der Verdächtigen kam aus dem privaten Umfeld. In bis zu einem Drittel der Fälle, auf die Schulen aufmerksam wurden, galten Verwandte oder Bekannte als Verdächtige. Bei Heimen lag die Quote sogar bei 49 Prozent. „In den Schulen richtete sich in vier Prozent der Fälle der Verdacht gegen das Personal, in Heimen waren es zehn Prozent“, sagte DJI-Direktor Thomas Rauschenbach.

Anlass der Untersuchung war der Missbrauchsskandal in Institutionen. In diesem Zusammenhang öffnet die katholische Kirche erstmals ihre Archive mit Personalakten auch für kirchenfremde Fachleute. „Wir wollen eine ehrliche Aufklärung und der Wahrheit auf die Spur kommen“, sagte der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann.

Diese Aufarbeitung erfolgt parallel und getrennt zu der Entschädigung von Missbrauchsopfern. In zwei wissenschaftlichen Forschungsprojekten soll das „dunkle Kapitel“ von Experten beleuchtet werden. Dabei sollen sowohl Opfer als auch Täter befragt werden. Die Zahl von Opfern, die sich melden, sei inzwischen „deutlich zurückgegangen“, sagte Ackermann.

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