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Keine finanzielle Unterstützung für zweifache Mutter

Studientraum ausgeträumt

Martina Döbbe

Münster - Anja Perschke hatte einen Traum. Sie wollte studieren. Sie wollte Kinder. Sie wollte als Lehrerin arbeiten. Viel Eifer und Herzblut hat sie in diese Pläne gesteckt. Was ist daraus geworden? Sie hat ihr Studium begonnen. Sie hat zwischendurch geheiratet und zwei Kinder bekommen. Doch ihr Studium, das muss sie nun an den Nagel hängen.

Denn dafür gibt´s keinen Cent. Bleibt sie zu Hause, zahlt der Staat weiter die Unterstützung, die die Albachtener Familie braucht, um über die Runden zu kommen. Studiert sie aber, wird die monatliche Aufstockung für die 28-Jährige gestrichen. Rund 500 Euro fehlen dann im Monatsbudget: „Das können wir uns nicht erlauben.“

Wer nun glaubt, das kann nicht stimmen, der muss sich eines Besseren belehren lassen. „Doch, das ist so“, sagt André Debus. Er kennt sich aus in den Tiefen der Gesetzeslagen. Und ihm persönlich tut das auch leid. Denn er kann gut verstehen, dass die junge Frau weiterkommen möchte, unabhängig werden von Hartz IV, von Regelsätzen, von Leistungen zum Lebensunterhalt.

„Ich bin total motiviert, ich würde das möglichst schnell durchziehen“, sagt die zweifache Mutter. Aber so, wie sie es sich vorgestellt hat, läuft es nicht. Der Bereichsleiter im Jobcenter Münster kann es erklären: „Studienzeiten werden nicht über Hartz IV abgedeckt. Dafür gibt es Bafög.“

Studienzeiten werden nicht über Hartz IV abgedeckt. Dafür gibt es Bafög.

Doch diese Unterstützung bekommt Anja Perschke nicht: Sie hat zwar nicht ihre Studienfächer - Deutsch und Geschichte - gewechselt, während ihrer Kinderpausen hat sich aber die Ausrichtung geändert: Statt Sekundarstufe I und II waren nun Master und Bachelor gefragt, sie wurde so einige Semester zurückgestuft. „Für die Behörden war das aber ein Wechsel, deshalb die Ablehnung“, erläutert sie.

Bisher hat ihr Mann im Callcenter gearbeitet, um zum Lebensunterhalt beizutragen. Zusammen mit Kindergeld und aufstockenden Leistungen kommt die Familie so auf knapp 2000 Euro. Im August wird der 25-Jährige aber eine Ausbildung beginnen, dann bringt er höchstens noch 460 Euro im ersten Ausbildungsjahr nach Hause.

„Also sind wir weiter auf staatliche Unterstützung angewiesen“, sieht Anja Perschke keine Alternative. Fassungslos macht sie die Haltung „Wir zahlen für Mütter, die zu Hause bleiben, aber nicht für Mütter, die studieren“.

Aus der Traum? Sie hat sich nun ebenfalls über Ausbildungs-Möglichkeiten informiert, zahlreiche Bewerbungen geschrieben, auch schon Vorstellungsgespräche gehabt. Ihr Eindruck: „Ich bin für viele überqualifiziert, mit 28 wohl auch zu alt, außerdem als Mutter von zwei kleinen Kindern ein Risiko.“

Ich bin für viele überqualifiziert.

André Debus macht ihr Mut, diesen Plan nicht aufzugeben. Die Jobagentur will sie dabei unterstützen, vielleicht doch etwas Passendes zu finden. Um am Ende einen Abschluss, eine Ausbildung, ein Stück Unabhängigkeit in der Tasche zu haben. Das wäre dann zwar nicht die Erfüllung aller Träume. Aber doch eines großen Wunsches.

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