1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Sturm und Drang beim Debütanten-Ball

  6. >

Archiv

Sturm und Drang beim Debütanten-Ball

Cedric Gebhardt

Ahlen - Wenn die Rückennummer bedeutend höher ist als das Alter, kann man getrost von Nachwuchs-Kräften sprechen. Gleich drei davon feierten am Dienstag im DFB-Pokal gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth ihr - mehr als gelungenes - Profi-Debüt.

Bahattin Köse stecken erst 19 Jahre in seinen Fußballer-Beinen. Er fand sich in der Startformation wieder und spielte 77 Minuten. Die 18 Jahre alten Cihan Oezkara und Luka Tankulic, bisher nur Insidern bekannt, wurden gemeinsam mit dem ebenfalls erst 19-jährigen David Blacha gleich im Dreierpack eingewechselt und durften sich fortan (ebenfalls erfolgreich) beweisen.

Als Bewerbungsunterlagen bringt alle drei Youngster gute technische Fähigkeiten mit, die sie mit einem starken Offensivdrang verbinden. Mit Verve stürzten sich die drei Jungspunde in die Zweikämpfe und setzten Duftmarken, an denen Andreas Zimmermann künftig nicht so leicht vorbeikommen kann.

Allen voran der Doppel-Torschütze. Der Duden sollte erwägen eventuell als neues Synonym für „Traumeinstand“ den Namen Tankulic in den Sprachgebrauch einzuführen. Tankulic, Vorname Luka, glückte bei seinem Debüt so gut wie alles.

Neben einer erfrischenden Leistung markierte der Angreifer des A-Junioren-Bundesliga-Teams auch noch beide Treffer. „Ich musste auch gleich bei sky mein erstes Interview geben“, strahlte ein vollkommen vom Glückshormon durchwirkter Tankulic. Weiter gestand er: „Klar war ich nervös. Aber die erfahrenen Spieler wie Daniel Felgenhauer und Lars Toborg haben uns beruhigt.“

Das zwischenzeitliche 2:1 wiederum wurde maßgeblich durch den zweiten A-Junior, Cihan Oezkara, vorbereitet. Wie bei der U19 im Training einstudiert, servierte Oezkara seinem Sturmkollegen Tankulic den Ball tafelfertig, so dass dieser eiskalt vollstrecken konnte. „Luka und ich spielen seit der E-Jugend zusammen. Wir verstehen uns ohne zu sprechen und wissen genau, wo der andere steht“, sagt Oezkara. Das zahlte sich aus. Auch wenn es am Ende nicht für einen Sieg reichte. Ohne Scorer-Punkt, aber dafür auf die meiste Einsatz-Zeit kam Bahattin Köse. Der Torjäger der Westfalenliga-Filiale der Rot-Weißen sorgte für viel Furore und suchte unbekümmert den Weg nach vorne.

Ebenso wie Oezkara und Tankulic weilt er seit vergangenem Sonntag bei den Profis, absolvierte das Trainingslager in Kaiserau und die Übungseinheiten am Wersestadion. Ein kometenhafter Aufstieg für das Nachwuchs-Trio.

„Als mir der Trainer am Dienstagmorgen gesagt hat, ich werde eingewechselt, habe ich ihm gesagt: Ich werde mein Bestes geben. Als er mir später auch noch gesagt hat, dass ich von Anfang an spiele, war ich geschockt“, bekundet Bahattin Köse. Doch die erste Überraschung wich schnell der Vorfreude. Am Ende überwiegt nach viel Herzklopfen die Freude über ein gelungenes Debüt. „Als ich nach Hause gekommen bin, bin ich direkt eingeschlafen“, berichtet Köse. Luka Tankulic und Cihan Oezkara hingegen brauchten noch eine Weile, ehe sie realisiert hatten, was wenige Stunden zuvor passiert war. Ebenso wie ihr Trainer waren sie binnen Tagen die Karriereleiter hinauf gepurzelt.

Diesen Level zu halten, wird ungleich schwerer. Machbar ist es dennoch. Schließlich sind nicht nur die Rückennummern des Nachwuchs-Trios hoch, sondern auch dessen Ehrgeiz.

Startseite