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Antisemitismus-Vorwürfe

"Tal der Wölfe" fliegt nach Protesten in Ahlen aus Kinoprogramm

Ulrich Gösmann

Ahlen - „Bundesstart verschoben!!“ Störer nennt Martin Temme den Aushang, den er am Mittag neben dem „Tal der Wölfe - Palästina“ platziert - und mit zwei Rufzeichen garniert. Dass er das Plakat nicht gleich abgenommen hat, damit demonstriert der Betreiber des „Cinema Ahlen“, überzeugt zu sein, dass der umstrittene Film doch noch in die Kinos kommt.

Vielleicht schon im Februar, wie er mutmaßt. Unterdessen ziehen die Proteste um die Ausstrahlung der als antisemitisch gescholtenen Produktion immer weitere Kreise. Bundesweit! Aber auch in Ahlen fallen deutliche Worte.

Die Deutsche Presseagentur (dpa) meldet um 11.22 Uhr, dass der Bundesstart für den Donnerstag soeben gestoppt ist. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) habe den türkischen Action-Streifen nicht freigegeben. Damit ist er zunächst einmal nur „X-Film“ - und vorerst vom Markt.

Martin Temme, der sich am Vortag noch ganz klar für den Bundesstart ausgesprochen hatte, obwohl er auf den Tag des Gedenkens der Opfer der NS-Diktatur fällt, bleibt nichts anders übrig: „Wir haben ihn jetzt von unserer Internetseite genommen. Reservierungen sind ab sofort nicht mehr möglich. Wir sind gerade dabei, unser Programm umzustricken.“ Für den Top-Agenten Polat Alemdar springt „Golden Globe“-Preisträgerin Natalie Portman mit „Black Swan“ ein.

Noch bevor klar ist, dass der Film von höherer Stelle aus dem Programm genommen wird, drängt es Bürgermeister Benedikt Ruhmöller nach einer Stellungnahme: „Ich finde es unglücklich, dass an diesem Donnerstag - einem der großen Gedenktage an die schlimmste Judenverfolgung aller Zeiten - ausgerechnet in unserem Kino der Film ,Tal der Wölfe gezeigt wird“, sagt er, nachdem er am Morgen über die „Ahlener Zeitung“ davon erfahren hat. Hier handele es sich um einen Film, der ganz offensichtlich darauf abziele, in militanter Weise den Judenstaat Israel zu bekämpfen. Die beabsichtigte Ausstrahlung sei sehr bedauerlich - und auch nicht mit Zensurfreiheit zu begründen. Der Kinobetreiber hätte gerade deswegen die Möglichkeit gehabt, auch anders zu entscheiden.

„Es ist ausgesprochen unglücklich,“ so der Bürgermeister, wenn morgens am Gymnasium junge Menschen einen Kranz niederzulegen und sich für Frieden und Toleranz aussprechen. „Und abends läuft dann auf der anderen Straßenseite ein Film, der den Hass gegen Israel in barbarischer Weise schürt. Das macht mich traurig und zornig.“ Er hätte gedacht, dass gerade in einer Stadt, die sich der Versöhnungsarbeit verpflichtet sehe, mehr Feingefühl gezeigt werde.

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