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Tausendstel entscheiden

Jürgen Beckgerd

Seit 1983 gibt es die Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Zum ersten Mal wurden die Titelkämpfe in Helsinki (Finnland) ausgerichtet. Danach zunächst alle vier, später dann alle zwei Jahre. So spannend wie diesmal, als der 100-Meter-Lauf der Frauen erst nach Hinzunahme eines Zielfotos entschieden werden konnte, war es selten. Schon 1993 bei der WM in Stuttgart passierte es einmal über die 100 Meter. Damals liefen Gail Devers aus den USA und Marlene Ottey aus Jamaika in genau zehn Sekunden, acht Zehntel- und zwei Hundertstelsekunden (10,82) ins Ziel. Dort musste schließlich das von einer Spezialkamera aufgenommene Foto entscheiden, wer denn nun Erste war.

Am Montag bei der Weltmeisterschaft in Osaka war es noch spannender. Da liefen gleich vier Frauen fast gleichauf über die Ziellinie. Mit bloßem Auge war nicht zu erkennen, wer tatsächlich gewonnen hatte. Erst nach Auswertung des im sogenannten „Scan’o’Vision“-Verfahren aufgenommenen Fotos und nach Zeitmessung in Tausendstel Sekunden stand die Siegerin fest: Es war Veronica Campbell aus Jamaika.

Gestern verpasste 400-Meter-Läufer Bastian Swillims um zwei Tausendstel das Halbfinale. Wirklich großes Pech für ihn.

Als tausendstel Sekunden, auch Millisekunden genannt, bezeichnet man den tausendsten Teil einer Sekunde. Ein Wimpernschlag dauert etwa eine Zehntelsekunde. Ein Tag dagegen hat etwa 86 400 Sekunden und eine Woche ungefähr 604 800 Sekunden. „Ungefähr“ deshalb, weil die Zeit ja durch die Erdumdrehung und den Lauf der Sonne bestimmt wird. Das ist allerdings für die kleinsten Zeiteinheiten wie die Tausendstelsekunde zu ungenau, weshalb diese durch Atomuhren ermittelt wird.

Bei der Leichtathletik, dem Radsport, beim Rudern und Kanufahren werden übrigens gleich aussehende Zieleinläufe ebenfalls in Tausendstel Sekunden gemessen. Daraufhin wird der Sieger oder die Siegerin bestimmt.

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