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Ted Kennedy: Er kämpfte wie ein Löwe

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Washington - Es war ein Auftritt, der viele in der Menge zu Tränen rührte. Vor fast genau einem Jahr, am heißen Abend des 25. August, stand Edward „Ted“ Kennedy vor einem Mikrofon in Denver - bei jenem Parteitag, auf dem die Präsidentschafts-Nominierung von Barack Obama zelebriert wurde.

Doch die Anwesenden ahnten, dass dies auch eine Art früher Abschied von jenem wortgewaltigen und weißmähnigen Mann sein würde. Der von seiner Krankheit bereits Gezeichnete schlurfte zum Rednerpult. Doch die Stimme hatte noch nichts von ihrer legendären Bariton-Kraft verloren. „Wir haben wieder Hoffnung. Und der Traum lebt weiter“, rief er den Delegierten zu. Diese Aussage galt nur einem: Dem von ihm im Wahlkampf unterstützten Barack Obama.

Der „Löwe“ kämpfte gegen einen bösartigen Hirntumor. In der Nacht zu Mittwoch dringt dann die Nachricht von seinem Tod aus dem Familienanwesen in Hyannisport. Mit dem Tod des letzten der vier Kennedy-Brüder starb auch der Patriarch der wohl mächtigsten Familien-Dynastie in der US-Geschichte.

Edward Kennedy, John F. Kennedy, Robert Kennedy und Joseph Kennedy jr. Vier Brüder. Der letztere stirbt im Zweiten Weltkrieg als 29-Jähriger. John F. Kennedy, für den Ted den Wahlkampf organisierte, wird 1960 zum Präsidenten gewählt und stirbt nur drei Jahre später bei einem Mordanschlag in Dallas (Texas). Robert Kennedy, als Senator ebenfalls mit Präsidentschaftsambitionen, fällt 1968 den Schüssen eines Attentäters zum Opfer. Von diesem Zeitpunkt an liegt die Last, den politischen Einfluss der Familie zu erhalten, auf den Schultern von Ted Kennedy. Er hat den Senatssitz seines ermordeten Bruders Robert übernommen - und setzt sich in sieben Amtszeiten vor allem für Minderheiten und sozial Schwache ein.

Doch auch das Leben von Ted Kennedy ist nicht ohne Schattenseiten. Da ist die verhängnisvolle Nacht des 18. Juli 1969, die Ted Kennedy für immer den Weg in den politischen Olymp verbauen sollte. Er sitzt am Steuer seines Wagens, der nach einer Party von einer Brücke in einen Teich nahe Chappaquiddick stürzt. Kennedy rettet sich aus dem sinkenden Fahrzeug, lässt aber seine 28-jährige Beifahrerin Mary Jo Kopechne hilflos zurück. Taucher ziehen sie tot aus dem Auto. Der Politiker, damals 37 Jahre, bekennt sich der Fahrerflucht schuldig.

Bei einem TV-Auftritt versucht er, alles zu erklären - und weist Gerüchte über Trunksucht und „unmoralisches Verhalten“ zurück. Vielleicht gäbe es „so etwas wie einen Fluch, der über uns hängt“, fügt er an und denkt dabei auch an jenen Flugzeugabsturz, den er 1964 knapp überlebte. 1980 scheitert sein Versuch, ins Weiße Haus vorzudringen. Ted Kennedy wird in den folgenden Jahren immer wieder als „tragische Figur“ bezeichnet.

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