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IVZ-Lokalfenster - Tecklenburger Land

Temperamentvoll mit Tanz und Trommel

Sunhild Salaschek

Westerkappeln - Zum Schluss hielt es keinen mehr auf den Sitzen, und fast jeder fand ein Plätzchen, um rhythmisch mit zu schwingen. Das will bei den engen Kirchenbänken schon etwas heißen!

Der Evangelische Kirchenkreis Tecklenburg hatte in Zusammenarbeit mit der ebenfalls interkulturell engagierten Evangelischen Studentengemeinde Oldenburg zu „Musik und Tanz“ der „Bridge Walker Group“ aus Namibia geladen. Das Namibia-Komitee des Kirchenkreises (federführend Anette Salomo) ist schon seit über 25 Jahren mit dem Kirchenkreis Otjiwarongo partnerschaftlich verbunden, was die Organisation dieses besonderen Konzertes ermöglichte.

Viele Hörer erinnerten sich noch an das erste entsprechende Konzert im Jahr 2007. Sie freuten sich besonders enthusiastisch auf die angekündigte Veranstaltung. Mittelschiff und Empore waren restlos belegt. Nur an der Seite war noch ein wenig Platz, aber dort war die Sicht schlecht - zu schade für einen auch optisch bestechenden Abend.

Es mag Zufall gewesen sein, dass die Gruppe in Westerkappeln gerade am von der UNESCO festgesetzten Welttanztag auftrat, aber es hatte durchaus auch symbolischen Charakter. Das Publikum war jedenfalls höchst beeindruckt von den traditionellen Gesängen, zu deren Interpretation immer auch ausdrucksstarke Bewegungen gehörten.

Diese waren trotz der stets lebhaften von der afrikanischen Trommel begleiteten Rhythmen zunächst noch verhalten (Jesu, ti uib ti !na -Jesus, Du bist die Hoffnung meines Lebens). Im zweiten Teil (Shaya ma fio fio - Bringt uns zum Tanzen) wurden sie aber immer rasanter, bis sich im dritten Teil des Programms (Di tsa ta ni -Ich will mein Bestes geben) die Aufbruchstimmung der Gruppe ansteckend im Tanz entlud.

Wegen eines Triebwerkschadens der Deutschen Bahn waren die Bridge Walkers etwas verspätet eingetroffen, dafür funktionierte das Triebwerk der Akteure selbst doppelt und dreifach. Die Chorarbeit der Gruppe aus Katutura, einem Problemviertel Windhoeks, eröffnet den Jugendlichen neue Perspektiven, denn die faszinierende Musik baut Brücken über alle ethnischen und kulturellen Grenzen hinaus.

Verwunderlich war nur, dass bei diesem Abend der Namibier neben der Fahne des Gastlandes Deutschland nicht die namibische, sondern die brasilianische Fahne geschwenkt wurde. Vermutlich sollte deren Motto „Ordem e Progresso“ (Ordnung und Fortschritt) die eigene positive Grundeinstellung betonen.

Dieses Motto steht auch in Beziehung zum „Positivismus“, der das soziale Gefüge Brasiliens im 19. Jahrhundert stark beeinflusste und dessen Kernpunkte Liebe und Anerkennung gegenüber Vorfahren und sozialen Institutionen sind.

Im Konzert zu spüren war von der Theorie aber nichts. Stattdessen regierte überschäumender Optimismus und mitreißendes Temperament. So wollte der Beifall auch nach etlichen Zugaben in der Kirche kein Ende nehmen. Schließlich ließ die begeisternde Gruppe den freudestrahlenden Abend stimmgewaltig auf dem Kirchplatz ausklingen.

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