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Teufelskreis Sucht

Michael Baar

Westerkappeln/Tecklenburger Land - Magersucht - eine typische Frauenkrankheit? „Es sind immer mehr Männer von Magersucht betroffen“, sagt Heinrich Ahlers-Kremer. Beruflich stark eingespannt, verlieren sie die Selbstkontrolle über ihr Tun. Diese Beobachtung macht der Leiter der Beratungsstelle Sucht des Diakonischen Werkes, die auch zuständig für Westerkappeln ist, immer öfter.

Es ist typisch für die Entwicklung in den vergangenen Jahren. Die Aufgabenpalette der Beratungsstelle weitet sich ständig aus. Alkohol, Medikamente, illegale Drogen, Rauchen - mit diesen Abhängigkeiten setzen sich der Diplom-Sozialpädagoge und Sozialtherapeut und die Mitglieder seines Teams seit Jahren auseinander.

Glücks- und Computerspiele sind ein weiteres Feld, bei dem das fünfköpfige Team eine steigende Zahl an Klienten betreut. Ob klassischer Daddel-Automat oder Computerspiel: Die Sucht-Experten beobachten mit Sorge, dass die Zahl jüngerer Abhängiger, gerade beim PC, steigt.

434 Personen haben im vergangenen Jahr den Kontakt zur Beratungsstelle gesucht. „Das sind nicht nur Abhängige, auch Familienangehörige wenden sich an uns“, hat Carolin Kühnel beobachtet. Fragen rund um das Thema Abhängigkeit stellen den Großteil der Kontakte, präzisiert die Diplom-Sozialpädagogin und -arbeiterin. Nicht selten geschieht es auf Druck der Angehörigen, dass sich ein Abhängiger an das Team der Beratungsstelle wendet.

Nikotin-Abstinenz beziehungsweise der Weg dorthin wird als Thema kaum nachgefragt. Das Rauchen scheint als Sucht die größte gesellschaftliche Akzeptanz zu genießen.

Die Mitarbeiter der Beratungsstelle arbeiten nicht nur in ihren Büros im Martin-Luther-Haus. Im Haus 18 der LWL-Klinik Lengerich bieten sie offene Sprechstunden in der Suchtambulanz an. Die psychosoziale Begleitung Substituierter ist ein Beispiel für die umfangreiche Unterstützung, die von dem fünfköpfigen Team geleistet wird. Information, Beratung und Behandlung gehören ebenso dazu wie die Vermittlung in eine Substitutionsbehandlung.

Begleitung bei Behördengängen, finanziellen Problemen, bei der Wohnungssuche, juristischen Problemen, beruflicher Orientierung, Hilfe bei Rückfällen und in Krisensituationen - es ist eine fast endlos erscheinende Liste an Angeboten, mit denen das Beratungsstellen-Team zur Stelle ist. Die Vermittlung in Entgiftung und klinische Therapie, Selbsthilfegruppen und Betreutes Wohnen gehören ebenfalls dazu.

Rund 60 Personen werden psychosozial begleitet. „Das ist das frühere Methadon-Programm“, macht Heinrich Ahlers-Kremer die Arbeit für Außenstehende leichter verständlich.

Damit nicht genug, ist das Team auch in der Suchtprävention engagiert. Ob Schulen, Kindertagesstätten, Vereine, Gruppen, ob in der Jugendarbeit oder in Betrieben: Heinrich Ahlers-Kremer, Carolin Kühnel, Diplom-Sozialarbeiterin und Suchttherapeutin Sabine Jeromin, Diplom-Sozialpädagogin Ulla Voß-Joubert und Christopher Schücker (Student der Sozialpädagogik) setzen auf die Vorbeugung. Trotz allen Engagements in diesem Bereich: Die „Gefahr“, sich selbst arbeitslos zu machen, sehen sie nicht.

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