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Filmrezensionen

"The Messenger": Die Boten des Todes

Hans Gerhold

Um die Folgen des Irak-Kriegs in der Heimat geht es in „The Messenger“, der zwei Soldaten bei einer echten Mission Impossible begleitet: Sie müssen den Angehörigen gefallener Soldaten die Nachricht vom Tod ihrer Familienmitglieder überbringen. Alles in streng den Vorschriften gehorchender Form: nicht klingeln, sondern klopfen, nicht umarmen und berühren, sondern mit standardisierten Sätzen auf Distanz bleiben.

Der eine, Sergeant Will Montgomery (Ben Forster), wird mit dem Leid der Trauernden nicht fertig, erlebt den Schmerz fast wie sie. Sein Vorgesetzter Captain Tony Stone (Woody Harrelson), hat Routine entwickelt. Aber nach Dienstschluss kann auch er sich nur mit Alkohol betäuben. Die Boten des Todes landen in Bars bei leichten Mädchen. Während der unberechenbareStone, immer nah am Wahnsinn, sich nicht weiterentwickelt, verliebt sich Montgomery in eine Soldatenwitwe (Samantha Morton).

Regisseur Oren Moverman (Drehbuch zum Bob-Dylan-Puzzle „I´m Not There“) inszeniert sein Regiedebüt als eindringliches Drama um seelische Schäden, die durch den Krieg hervorgerufen werden. Dabei fragt er, ob nach den Einsätzen ein normales friedliches Leben noch möglich ist. Hervorragend gespielt, entwickelt sich ein Drama um Identitätskrisen, die auf die USA in Gänze übertragbar sind. Die Kamera folgt den Boten in immer gleiche Vorstädte, bleibt dort distanziert, während sie bei den Reaktionen der Angehörigen hautnah herangeht und ausgedehnt die Pein auf den Zuschauer überträgt. Starker Tobak.

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