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„The Women“: Aufgedonnertes Palaver

Gian-Philip Andreas

Wer je „Die Frauen“ gesehen hat, einen der großen Filmklassiker der 1930er Jahre, muss in Tränen ausbrechen angesichts dessen, was Regisseurin Diane English und Produzent Mick Jagger hier als Remake vorlegen: ein saft-, kraft- und witzloses Eifersuchtspösschen, zwanghaft darum bemüht, ein handtaschenwedelndes „Sex and the City“-Gefühl für Klatschblatt-Leserinnen ins Drehbuchgerüst von ehedem zu quetschen.

Beide Filme basieren auf einem Theaterstück von Claire Boothe Luce und halten sich an dessen Clou: Es sind ausschließlich Frauen zu sehen, Männer bloß Objekt der (despektierlichen) Rede.

Doch wo unter der Regie des Komödien-Profis George Cukor 1939 ein proto-feministischer Klassiker des New-York-Films entstand, muss man sich heute fragen, wenn man die seltsam dauerjugendlich dreinschauende Meg Ryan und ihre Kolleginnen beim aufgedonnerten Palaver herumhampeln sieht, ob diese hysterischen Hühner wirklich „Die Frauen“ repräsentieren sollen, als die sie der Titel generalisierend feiert.

Wie damals wird Modedesignerin Mary (Ryan) von ihrem Mann mit einer Verkäuferin (Eva Mendes) betrogen, wie damals hilft ihr die Klatschblattredakteurin Sylvia (Annette Bening) bei der Gegenintrige. Jada Pinkett, Bette Midler und andere starke Frauen mischen mit.

Doch es hilft nichts, gegen Joan Crawford und die anderen Stars von 1939 kommen sie nicht an. Die Klamotte bleibt am Boden und hebt niemals ab, aller Witz bleibt tot, und selbst modisch bewegten „inTouch“-Leserinnen im Prosecco-Rausch ist nach ihrer Shopping-Orgie vom Besuch abzuraten: „The Women“ ist ein Desaster.

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