1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. „Tiergeschenk gut überlegen“

  6. >

Aktuelles

„Tiergeschenk gut überlegen“

Thomas Pottebaum

Münster - Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind. Alle Jahre wieder zu Weihnachten werden – trotz aller Warnungen – auch unzählige Kleintiere unbedacht verschenkt – und landen dann im besten Fall im Tierheim.

„Wer zu Weihnachten ein Tier verschenken will, handelt zwar wahrscheinlich in guter Absicht, kann aber meist nicht ermessen, welche Folgeprobleme dadurch entstehen“, mahnt Hans-Jürgen Lutz, Präsident der Tierrechtsorganisation Europas, TUN – Tier- und Naturschutz e.V. Schließlich übernehmen Tierfreunde Verantwortung für ein Lebewesen, das die Familie ein Tierleben lang begleitet. Daher sei Weihnachten ein denkbar ungeeigneter Termin, um die Familie oder den Haushalt um ein tierisches Mitglied zu erweitern.

Spätestens im neuen Jahr geht’s dann richtig rund: das niedliche Kaninchen wurde größer und fing an zu beißen, die Meerschweinchen waren zu laut, der Hamster stand erst nach 23 Uhr auf, die Landschildkröte ist doch nicht so aktiv wie erhofft. Die Mutter war allergisch gegen den neuen Hund, dieser war noch dazu unsauber und die Katze hat das Sofa zerkratzt – jetzt erst merken die neuen Tierhalter, dass ihre Tierwahl vielleicht doch nicht ganz passt – und viele Tiere, die in weihnachtlicher Vorfreude gekauft wurden, sind nun nur noch lästig und müssen wieder weg.

„Der zeitliche und finanzielle Aufwand bei der Haltung von Tieren wird von vielen Menschen unterschätzt“, warnt auch Alexandra Diezemann von der Aktion Tier – Menschen für Tiere e.V. „Gerade viele Tierbabys werden gern verschenkt, die Erziehung und Pflege eines Welpen beispielsweise erfordert aber Geduld, Fürsorge, Zeit und Geld.“ Ein Tierhalter müsse sich auch bewusst sein, dass er oftmals viele Jahre Verantwortung für das Tier tragen müsse. Solle einem Kinderwunsch nachgegeben werden, sollten Eltern sich darüber im Klaren sein, dass letztendlich sie es sein werden, die die Verantwortung tragen.

„Tiere sind keine Überraschungsgeschenke“, warnt auch der Deutsche Tierschutzbund in Bonn. Wer sich nach reiflicher Überlegung für einen tierischen Hausgenossen entscheide, solle sich zunächst ans örtliche Tierheim wenden. Bundesweit warteten dort viele Katzen, Hunde und Kleintiere auf ein neues Zuhause. „Ein Tier kann das Familienleben bereichern“, die Entscheidung soll aber wohlüberlegt sein“, erläutert Wolfgang Apel, Präsident des Tierschutzbundes.

Jeder Umgebungswechsel ist für die Tiere zudem sehr anstrengend. Gerade kleine Heimtiere wie Vögel, Hamster, Meerschweinchen, Kaninchen und Reptilien benötigen in den ersten Tagen in der neuen Heimat viel Ruhe, um sich einleben zu können. Die Weihnachtsfeiertage mit dem dazugehörigen Trubel, Familienfeiern und Besuchen sind absolut nicht dafür geeignet, einem scheuen Tier die Angst zu nehmen.

Startseite