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Todesfalle Kanalisation: Starkregen bekämpft Ratten

Wolfgang Schemann

Münster - Es gibt vermutlich nicht viele, die dem Starkregen und den Überschwemmungen der vergangenen Wochen auch Gutes abgewinnen können. Aber es gibt sie. Einer von ihnen ist Marco Otte, der im städtischen Tiefbauamt für den Kanalbetrieb zuständig ist: „Das hilft uns mehr als alles andere“, sagt er. Und meint die Rattenbekämpfung.

Denn das städtische Kanalnetz mit einer Gesamtlänge von rund 1600 Kilometern ist der bevorzugte Lebensraum dieser Nagetiere: Hier haben sie ein Dach über dem Kopf, fließendes Wasser und ständigen Nahrungsnachschub.

Die Stadt unternimmt deshalb erhebliche Anstrengungen, um die Kanalratten - die als Überträger vieler Krankheiten und deshalb als Schädlinge gelten - zu bekämpfen. Jedes Jahr im Sommer, so Otte, werden in rund 20 000 Kanalschächten Giftköder ausgelegt. Und im Herbst folgt noch eine zweite Auflage mit 7000 bis 8000 Kanalschächten: „Das läuft jetzt gerade an.“ Darüber hinaus, so Otte, werde man natürlich tätig, wenn gezielte Hinweise aus der Bürgerschaft kommen.

Die Stadt benutzt dafür sogenannte „Fraßblöcke“, die an einem Draht in den Kanalschacht gehängt werden, sodass sie sich etwa eine Handbreit über dem Boden befinden und nicht im Wasser hängen. Das Tiefbauamt kontrolliert anschließend, ob die Köder angenommen werden - und legt gegebenenfalls nach. Otte: „Solange, bis kein Rückfraß mehr stattfindet.“

Die Bürger können sich übrigens auch an der Rattenbekämpfung beteiligen, wie Marco Otte meint. Und zwar auf ganz einfache Weise: „Keine Lebensmittel in die Toilette schmeißen.“ Denn Nahrungsreste, die mit der Klospülung in die Kanalisation gelangen, verbessern nicht nur die Lebensgrundlagen der Kanalratten - sondern erschweren auch ihre Bekämpfung: „Dafür lassen die unsere Köder liegen.“ Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass die Lebensmittelentsorgung nach dem 00-Verfahren im Einzelfall daheim auch unliebsame Besuche nach sich ziehen könne. Otte: „Sie können die Ratten regelrecht anfüttern - dann kommen sie bis ins Haus rein . . .“

Ansonsten ist die Lage an der Rattenfront derzeit aber „eher ruhig“, wie Otte versichert. Und das auch dank des Starkregens. Die Ratten, so sagt er, bauen ihre Nester gern in toten Abzweigungen des Kanalnetzes. Und wenn die dann ganz plötzlich geflutet werden . . .

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