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Traum vom Cabrio wird zum Albtraum

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Rheine. Nach diesem Auto hatte Sven Meißner lange gesucht. Ein BMW 325 Ci Cabriolet. Schwarz-metallic, knapp 200 PS, Lederausstattung, Xenon-Scheinwerfer. Auf einer bekannten Kfz-Gebrauchtwagenbörse im Internet wurde der in Oberursel lebende Mann schließlich fündig. Ein freier Händler aus Rheine bot genau den Wagen an, den er suchte. Doch statt mit offenem Verdeck durch die Gegend zu fahren, hat Meißner nur Ärger mit dem Auto, der BMW steht auf dem Hof einer Vertragswerkstatt - nicht mehr verkehrstüchtig. Meißner fühlt sich von dem Rheiner Autohändler betrogen, spricht von kriminellen Machenschaften.

Die Geschichte beginnt im Juli. Meißner hatte den Wagen im Internet entdeckt. Da er selber in Hessen lebt, bat er seinen in Borghorst wohnenden Vater, sich den Wagen in Rheine anzusehen. Damals gab es nach Aussage von Meißner bereits die ersten Unstimmigkeiten. Es handelte sich um ein Importfahrzeug aus den USA. „Im Internet war davon nie die Rede“, sagt Meißner. Trotzdem schien das Cabrio in Ordnung zu sein. Meißner sah sich den Wagen später auch selber an. Nachdem er sich mit dem Händler einig war, kaufte er den BMW. Lange Freude sollte er damit jedoch nicht haben. „Nach wenigen Kilometern ist mir auf der Autobahn die Heckschürze weggeflogen“, erzählt Meißner.

Doch damit nicht genug: Wenig später meldete sich der Kühler mit Problemen, auch das Licht funktionierte nicht richtig. Meißner brachte den Wagen zu einem BMW-Vertragshändler. „Als der den Chip einlegte, gingen rote Warnleuchten an. Der Wagen hätte auf deutschen Straßen gar nicht zugelassen werden dürfen“, berichtet Meißner. Besonders interessant: Der offensichtlich nicht verkehrssichere Wagen hatte nach Aussage von Meißner beim Kauf eine neue TÜV-Plakette und laut Bericht keine Mängel aufgewiesen.

Die Prüforganisation bestätigt, dass der Wagen zu einer so genannten „Ganzabnahme“ vorgeführt wurde. „Zum Zeitpunkt der Abnahme befand sich das Auto in einem vorschriftsmäßigen Zustand“, sagte TÜV-Teamleiter Peter Erpenbeck auf Anfrage unserer Zeitung. Ob nachträglich Veränderungen an dem Fahrzeug vorgenommen wurden, könne er nicht sagen. Unregelmäßigkeiten habe es jedoch bei der Laufleistung des BMW gegeben. Dieser seit mit 27174 Meilen auf dem Tachometer vorgeführt worden. Das entspricht nach Angaben von Erpenbeck rund 43700 Kilometern. Bei der Vorführung beim BMW-Vertragspartner waren es wenig später dann 38000 Kilometer. „Da passt irgendwas nicht“, sagte Erpenbeck. Was in dem Zeitraum nach der Begutachtung mit dem Fahrzeug geschehen sei oder sein könnte, entziehe sich seiner Kenntnisnahme. Fahrzeugveränderungen nach einer technischen Begutachtung lägen im Verantwortungsbereich des jeweiligen Halters und könnten nicht der vorherigen begutachtenden Institution angelastet werden.

Meißner ist davon überzeugt, dass nach der Begutachtung von dem Rheiner Autohändler Veränderungen an seinem BMW vorgenommen wurden. Er will den Wagen zurückgeben, den Kauf rückabwickeln und seine 20000 Euro, die er bezahlt hat, zurück.

Der Autohändler selber bestätigte auf Anfrage, dass Meißner den Wagen zurückgeben wolle. Das Auto sei aber „bis auf kleine Mängel“ in Ordnung. Der Frage, ob der BMW zum Kaufzeitpunkt verkehrssicher gewesen sei, wich der Händler aus. Verschwiegen habe er dem Käufer jedenfalls nichts. Den Wagen wolle er zwar zurücknehmen, nicht jedoch zu dem von Meißner geforderten Preis. Er werde Meißner jetzt wegen übler Nachrede anzeigen. „Das ist Rufmord“, sagte der Händler im Gespräch mit unserer Zeitung. Weiter wollte er sich zu dem Vorwurf nicht äußern.

Offenbar ist der Autohändler aber kein Unbekannter. Nachbarn berichten von nächtlichen Autoverladungen und Polizeiobservationen. Die Polizei selber wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

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