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Trittbrettfahrer halten Polizei in Atem - mehrere Festnahmen

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Ennepetal/Stuttgart - Zwei Tage nach dem Amoklauf von Winnenden mit 16 Toten sind in Deutschland zahlreiche Nachahmungstäter nach Drohungen gegen Schulen festgenommen worden.

In mehreren Bundesländern war die Polizei am Freitag teils pausenlos im Einsatz, weil Trittbrettfahrer Bluttaten unter anderem im Internet angekündigt hatten. Zumindest in einem Fall folgte die Strafe auf dem Fuß: In Remscheid (Nordrhein- Westfalen) verurteilte ein Richter am Freitag im Schnellverfahren einen 16-jährigen Hauptschüler wegen der Androhung eines Amoklaufs zu zehn Tagen Arrest.

Bereits mehrere Tage vor der Tat in Winnenden hat ein 17-jähriger Gymnasiast in Ennepetal gegenüber Mitschülern einen Amoklauf an seiner Schule angekündigt. Er wurde am Donnerstag während des Unterrichts festgenommen und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, wie die Kreispolizei in Schwelm am Freitag mitteilte. Bei der Durchsuchung seines Zimmers in der elterlichen Wohnung wurden Hieb- und Stichwaffen sowie Anleitungen und Chemikalien zum Bau eines Sprengkörpers gefunden. Ob er die Tat mit diesen Waffen plante, sei unklar. Erste Hinweise auf ihn hatte die Mutter einer Schülerin vergangenen Montag gegeben.

In Baden-Württemberg ergingen gegen einen 16-jährigen aus Kippenheim und einen 20-Jährigen aus Esslingen Haftbefehle. „Wir wollen gerade nach den schrecklichen Geschehnissen in Winnenden ein deutliches Zeichen setzen, dass damit nicht zu scherzen ist“, sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Herwig Schäfer. Auch aus anderen Bundesländern wurden Drohungen gegen Schulen vermeldet. Mehrere Jugendliche wurden festgenommen, an einigen Schulen fiel wegen angeblicher Amok-Ankündigungen der Unterricht aus. Die Polizei in Hessen sprach von „schlechten Scherzen“, dennoch müsse allen Hinweisen nachgegangen werden.

Alle Trittbrettfahrer riskieren viel, wie Experten am Freitag betonten. Es drohen empfindliche Strafen. „Diese gehen bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe“, sagte Oberstaatsanwalt Stefan Wirz, Sprecher des baden-württembergischen Justizministeriums, dem Audiodienst der dpa. Nach Ansicht des Kriminalpsychologen Adolf Gallwitz lässt sich die Zahl der Trittbrettfahrer vor allem durch Festnahmen und harte strafrechtliche Konsequenzen verringern.

Baden-Württembergs Justizminister Ulrich Goll (FDP) forderte härtere Strafen für die Androhungen: „Um bereits im Gesetz deutliche Signale zu senden, wäre eine Strafrahmenverschiebung nach oben sicher kein Fehler“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zugleich verwies er auf die empfindlichen Schadensersatzforderungen, die auf einen Täter zukommen. „Der Täter ist dann oft ein Leben lang damit beschäftigt, seine Schulden abzustottern. Da schützt ihn auch sein jugendliches Alter nicht.“

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