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Triumph auf der anderen Seite der Welt

Münster. Eineinhalb Tage brauchte Thomas Caruso, um von dieser auf die andere Seite der Welt zu kommen. Die Reisestrapazen steckte der Triathlet von Tri Finish Münster weg, es galt schließlich einen Traum zu verwirklichen...

Von Jürgen Beckgerd

Münster. Eineinhalb Tage brauchte Thomas Caruso, um von dieser auf die andere Seite der Welt zu kommen. Die Reisestrapazen steckte der Triathlet von Tri Finish Münster weg, es galt schließlich einen Traum zu verwirklichen. Zum zweiten Mal, denn seinen „Einstand“ im Welt-Zentrum des Triathlon-Sports auf Hawaii hatte der Hiltruper bereits im vergangenen Jahr gefeiert. Beim Ironman über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen passte diesmal – trotz der 36-stündigen Anreise – alles. Caruso ließ sich nicht nur zum zweiten Mal den traditionellen hawaiianischen Lei-Blumenkranz nach dem Zieleinlauf umhängen. In 9:36:11 Stunden verbesserte der 37-Jährige seine Zeit vom Vorjahr (10:18:21) deutlich. Er erreichte nun als 123. der Gesamtwertung und als 21. der deutschen Starter das Ziel. Dabei stand der Start, für den sich der Ausdauerathlet in Klagenfurt/Österreich (9:11 Stunden) qualifiziert hatte, unter keinem besonders guten Stern und war auch der Wettkampf unter sengender Sonne und erbarmungslosem Wind alles andere als ein Zuckerschlecken.

Tags nach seiner Ankunft auf Big Island, eine Woche vor dem Wettkampf, erkundete Caruso die Wettkampfstrecken. Schwamm im Pazifik, um sich an die Wellen zu gewöhnen, fuhr Rad, um dem böigen Wind auf dem anspruchsvollen Streckenprofil zu trotzen und lief, um den Körper gegen die Hitze zu stählen. Die Konsequenz: Eine Muskelverhärtung in der Wade, und die daraus resultierende Angst, schon vor dem Start die Reißleine ziehen zu müssen. „Zwei Tage lang habe ich dann gar nicht mehr trainiert“, schilderte Caruso. Es ging gut, wie man’s halt nimmt.

Samstag um drei klingelte der Wecker, pünktlich um 5.30 Uhr war der Hiltruper am Startplatz. Beim Schwimmen mit vielen Hundert Teilnehmern „war’s ein einziges Hauen und Stechen“, beschrieb Caruso den Paddelschlag der Kraulschwimmer. „Ich bin dann nach außen ausgewichen, um nicht noch mehr Schläge abzubekommen. Das hat mich sicherlich einige Meter gekostet“.

Nach 1:03 Stunden war der Hiltruper froh, die Wechselzone erreicht zu haben., Schwimmen ist ohnehin nicht seine Lieblingsdisziplin. – Radfahren auf Hawaii vielleicht auch nicht mehr: „Sieben Meilen ging es stets bergauf bis zum Hawi, dem Wendepunkt. Dann packte uns der volle Wind, ab Meile 35 ging’s permanent gegen uns“, sagte Caruso. „Da hat es auch viele Profis verblasen. Deren Feld fiel komplett auseinander.“

Profi oder Amateur: Windschattenfahren ist beim Ironman verboten und wie auch der deutsche Profi Timo Bracht handelte sich Thomas Caruso eine vierminütige Zeitstrafe ein. „Da hat mich wohl der Teufel geritten“, schüttelte Caruso den Kopf. Anders als Bracht saß der Münsteraner die Strafe aber ab und wurde so nicht disqualifiziert.

Der abschließende Marathon „war hart. Ich wusste, dass ich dieses Tempo nicht durchhalten konnte“. Caruso erfuhr seine Grenzen. „Warum mache ich das überhaupt?“ auf den letzten Kilometern fragte er sich das des Öfteren selbst. Die Antwort gaben viele hunderte von enthusiastischen Zuschauern im und vor dem Ziel. „Da geht dann alles von alleine.“ Die Überwindung war geschafft. Vielleicht war es das, was Caruso wollte und jetzt vorerst nicht mehr will. „Am Wochenende werde ich zu Hause eine Viertelstunde ganz locker Radfahren und dann im Sport erst mal gar nichts mehr tun.“ Und 2009? „Ich habe mich nicht angemeldet, auch für die Qualifikation nicht.“

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