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Karneval im Tecklenburger Land

Trotz Warnung ging keine Zartbesaitete

Ursula Holtgrewe

Alt-Lotte - Wie närrische Weiber in den klassischen Karnevalhochburgen feierten rund 70 Kostümierte im Alt-Lotter Schützenhaus ausgelassen. Das die Humornerven stimulierende Programm der Organisatorinnen traf ins Schwarze.

Von wegen Wellness fürs Gemüt. Der Abend mit mehr als vierstündigem Programm war Hochleistungssport für karnevalistische Seelen und Lachmuskeln. Dazu trug DJ Andreas das Seine bei. Er verantwortete zum sechsten Mal gekonnt Taktisches: Schunkeln, Singen, Abrocken.

Weil zwei Helferinnen kurzfristig krankheitsbedingt ausfielen, hatten Brigitte Gausmann, Renate Krause und Heike Kottmann alle Hände voll zu tun. Sie bewirteten im Schützenhaus bekannte „Weiberfastnachts-Hasen“ und zahlreiche neue Närrinnen. Erwartungsgemäß standen Lästereien gegen Frauen und derbe Zoten über das vermeintlich starke Geschlecht im Vordergrund und ernteten so manch eine Begeisterungs-Rakete.

Wehren konnte sich nur Erich (Günther Westermann) gegen spitze Bemerkungen seiner Else (Lydia Meier zu Farwig). Beide hielten im verflixten siebten Ehejahr Rückblick mit Sketchen und Texten zu bekannten Melodien. Sie: „Ich würde für dich bis an Ende der Welt gehen.“ Er: „Ist ja schön. Würdest du auch da bleiben?“ Sogar im Haushalt spannte Else den gebeutelten Erich ein, der beklagt: „Wenn ich mal aus dem Fenster stürzen würde, würdest du mir noch den Müll mitgeben.“ Publikum: „In beiden Händen.“

Das Ehe-Nähkästchen öffnet das Plappermaul, „Die durchgeknallte Alte“ (Ulrike Rudnick) ebenfalls: „Ich habe mir eine Leggins Modell Capri gekauft. Das habe ich angezogen und meinem Schatz gezeigt. Er meinte nur: Schatz, ich dachte immer Capri ist eine Insel und kein Erdteil.“ Grabinschriften hatten beide für den anderen bereits ausgesucht. Er für sie: „Hier ruht meine liebe Frau - kalt wie immer. Sie für ihn: „Hier ruht mein lieber Mann - endlich steif.“

Mühelos hatten nach einer Tanzpause Klara (Elke Mergel) und Elvira (Edith Raschke) die lustigen Weiber von Lotte im Griff mit amüsantem Familientratsch. Klara hat einen jungen Mann kennengelernt: „Er sagt, ich bin sein Attagirl.“ Elvira: „Ja, bescheuert genug siehst du ja aus.“ - „Nein, weil ich so attaraktiv bin.“ Elvira gestand ein: „Mein Ralf ist ja auch nicht mehr der Jüngste. Aber er hat innere Werte.“ Elvira knapp: „Dann würde ich ihn mal wenden.“ Vortrefflich eingestimmt sollten nun die „Ohrbecker Elfen“ auftreten.

„Wir haben sehr gebettelt. Dann haben sie ja gesagt“, machte Heike Kottmann auf das beim Alt-Lotter Karneval fast unverzichtbare Männerballett neugierig. Ballettmusik aus Schwanensee ertönte. Herein kamen - nein, keine Elfen, schon eher Zwölfen und mehr. Mit Tutu (sprich Tütü) und rosa Herzen auf den rückseitigen weißen Strumpfhosen, die die Bäuche alles andere als kaschierten, mit graziösen Bewegungen zu Minischritten, einem waghalsigen Sprung und akrobatischem Finale eroberten sie die Herzen der Närrinnen im Nu.

Da konnte dann nur das Alt-Lotter Weiberfastnachts-Urgestein Renate (Westermann) mithalten. Als geplagte Hausfrau machte sie ihre Fans glücklich mit Verbalattacken auf Schwägerin und Göttergatten. Sie trieb es derart auf die Spitze, dass sie Zartbesaiteten riet, den Raum zu verlassen. „Es geht keine. Na gut,“ sagte sie und legte los. Wie, das wissen alle, die mehrfach herzhaft gelacht und gejohlt haben.

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