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Filmrezensionen

„Troubled Water“: Mit Orgelspiel zur Erkenntnis

Hans Gerhold

Nach acht Jahren im Gefängnis, findet Jan (Pal Verre Valheim Hagen) unter dem Namen Thomas Anstellung als Organist in einer Kirche. Er verliebt sich in die allein erziehende Pastorin Anna (Ellen Dorrit Petersen) und freundet sich mit deren Sohn Jens an.

Da erkennt ihn per Zufall die Mutter des Kindes, dessen Tod er einst verursachte. Bei Agnes (Tryne Dyrholm) bricht alles wieder auf. Sie stellt Thomas nach und bringt in einer dramatischen Kurzschluss-Handlung mehrere Menschen in Gefahr.

In der ersten Hälfte aus Thomas´ Perspektive erzählt, dann aus Agnes´ Sicht, klärt sich nach kurzen Rückblenden erst im Finale auf, was wirklich passierte. Bis dahin geht es in dem existenzialistischen Drama aus Norwegen um elementare Fragen von Schuld, Sühne, Rache, Vergebung, Glauben und Zweifel. Das alles nicht theoretisierend, sondern wunderbar aus Alltagssituationen schöpfend.

Eine Wucht ist Tryne Dyrholm, seit „Das Fest“ mit Dänemarks Dogma-Filmen verbunden und in jedem einzelnen Moment besser, als sämtliche Lars-von-Trier-Filme der jüngsten Zeit. Wie sie seelische Konflikte, Alpträume und Momente der Erkenntnis während Thomas´ Orgelspiel oder auch im Verhältnis zu ihrem Mann und den adoptierten Kindern vermittelt, fast nur im Spiel der Augen, ist größte Schauspielkunst.

Wie in „In Your Hands“, wo sie eine Kindsmörderin spielte, ist Dyrholm derart intensiv, dass man von spiritueller Energie sprechen darf, die den Film trägt. Unterstützt wird dies von herrlicher Orgelmusik, darunter Simon and Garfunkels „Bridge Over Troubled Water“, die eine zweite spirituelle Ebene schafft. Der Film erhielt den Kritikerpreis Norwegen und den Publikumspreis Emden 2009. Herausragend.

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