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TSV Hoffenheim: Hoppelweide wird erstklassig

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Wo kommt der Verein her?

Von ganz unten. Vor 20 Jahren ging der Verein als TSG Hoffenheim noch gegen den 1. FC Stebbach, den TSV Ittlingen und den VfB Epfenbach auf Torejagd – in der Bezirksliga und der Kreisklasse A Sinsheim. Der eigene Waldsportplatz galt als eine der miesesten Hoppelweiden im gesamten Kreis. Zeitzeugen erinnern sich, dass die Spieler „wie Wildschweine“ aussahen. Nach einer Niederlage in einem Relegationsspiel in Elsenz fühlte sich ein Zuschauer namens Dietmar Hopp an der Ehre gepackt. Seitdem steigt „Hoffe“ auf wie Kohlensäure.

Wo will der Verein hin?

Auf jeden Fall nicht zurück, sondern immer nach vorne. In vielen Bereichen war 1899 Hoffenheim schon als Regional- und Zweitligist erstklassig besetzt. So hat sich um den schwäbischen Taktiktüftler Ralf Rangnick eine Expertenkommission geschart. Jan Schindelmeiser ist ein umsichtiger Manager, Jochen A. Rotthaus setzt als Geschäftsführer mit dem Stadionneubau Meilensteine. Mentaltrainer Hans-Dieter Hermann gilt in Deutschland als Nummer eins auf seinem Gebiet. Mittelmaß ist nicht das Maß aller Dinge im Kraichgau.

Das liebe Geld

Mit Dietmar Hopp hat der Verein einen Hauptsponsor, auf den 100-prozentig Verlass ist. Der SAP-Mitbegründer wird 1899 Hoffenheim auch posthum unterstützen, finanziell ist alles geregelt. Hopp hat früher selbst in „Hoffe“ gekickt und sieht sich als ersten Profi des Vereins – „weil ich für jedes Tor eine Dose Büchsenwurst bekommen habe“. Hopp greift „Hoffe“ seit knapp 20 Jahren unter die Arme. Seine größte Baustelle ist derzeit der neue Fußball-Palast, der für rund 60 Millionen Euro an der Autobahn A 6 bei Sinsheim gebaut wird. Im Nachbarort Zuzenhausen entsteht nach englischem Vorbild ein Trainingszentrum. Auch wenn die Mannschaft Verstärkung braucht, rollt der Rubel. Vergleiche mit Chelseas Abramowitsch sind dennoch absurd. Hopps Ziel ist, dass sich der Verein „irgendwann selbst finanziell trägt“. Hoffenheim ist auf einem guten Weg.

Wer hat das Sagen?

Der Trainer ist der Star. Ralf Rangnick sagt, wo es langgeht. Er genießt das volle Vertrauen und kommt auch bei den Fans gut an. Es gibt Leute, die finden Rangnick-Fan-T-Shirts besonders anziehend.

Typ, auf den Sie achten sollten

Ramzan Özcan. Der Torwart mit dem Künstlernamen „Rambo“ ist immer für Action-Szenen gut. Gäbe es die olympische Disziplin Ballweitschießen, würde er die einzige Goldmedaille Österreichs holen. „Rambos“ spektakuläre Abschläge sind eine Sehenswürdigkeit. Und eine Wucht. Nicht von ungefähr kam er vergangene Saison beim 5:0-Erfolg gegen Jena in die Assist-Wertung.

Wen schlägt der Vereine besonders gerne?

Früher waren es der FC Zuzenhausen und der SV Sinsheim. Jetzt, in der Bundesliga, werden Siege auch mal wehtun. Fanbeauftragter Mike Diehl ist Gladbach-Fan, Spielleiter Dirk Rittmüller trinkt seinen Kaffee am liebsten aus der HSV-Tasse. Peter Hofmanns Lieblingsfarbe ist Rot – der Vereinsvorsitzende ist leidenschaftlicher Anhänger des FC Bayern. Siege gegen den KSC und den VfB Stuttgart würden der badischen Seele am meisten gut tun.

Der verrückteste Fanartikel

Nein, blau-weiße Kondome sind nicht im Handel, genauso wenig wie blau-weiße „Hoffe“-Kissen und blau-weiße „Hoffe“-Toilettenschüsseln. In Sachen Fanartikel ist der Kraichgau noch Entwicklungsland. Beliebt sind Schals mit der Aufschrift „Hurra! Hurra! Das ganze Dorf ist da“ für 10 Euro. Auch das Maskottchen, Elch Hoffi, kommt als Miniversion ganz gut an. Weil ansonsten Fanartikel-Notstand herrscht, werden die Fans selbst kreativ. Die neueste Attraktion ist in der Hauptstraße zu bewundern. Dort hat der Maurer Heribert Breunig sein Haus blau-weiß angemalt – 1899 zu Ehren.

Prognose

Gut möglich, dass der Verein auf seine bewährte Underdog-Taktik zurückgreift. In den vergangenen beiden Jahren hat „Hoffe“ in den ersten vier Spielen nie gewonnen – um am Ende doch noch mit Pauken und Trompeten aufzusteigen. „Wenn das Erfolg verspricht, könnten wir das ja auch in der Bundesliga so tun“, sagt Ralf Rangnick. Angst vorm ersten Mal? Die hat Hoffenheim nicht vor der ersten Saison in der Bundesliga. Nach einer kurzen Findungsphase wird sich der Aufsteiger im Oberhaus einleben – und dauerhaftes Bleiberecht sichern. Längerfristig sind sogar englische Wochen möglich: Uefa-Cup- und Champions-League-Spiele gegen Liverpool und Arsenal.

Eric Schmidt

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