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Zukunft Münsterland

Türme neu zum Leuchten bringen

Johannes Loy

Münster - Womit kann Westfalens Kultur wuchern? Das ist eine Frage, mit der sich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und die Kulturexperten der Region zurzeit befassen. Die Schockwelle eines vor Jahr und Tag für die NRW-Regierung erstellten Kulturgutachtens, in dem Westfalen kaum vorkam, wirkt bis heute nach.

Die Schmollwinkel wurden längst wieder verlassen. Das Gutachten wurde per definitionem tiefer gehängt als Zukunftsvision eines Expertengremiums und eben nicht als repräsentative Bestandsaufnahme. Einkehr und Besinnung stehen dennoch jetzt in Westfalen auf dem Programm. Bis Mitte 2010 sollen erste Ergebnisse dieses Kultur-Brainstormings auf dem Tisch liegen.

Wo liegen die Stärken, wo die Schwä­chen? Was zeichnet Westfalen-Lippe als Kulturlandschaft aus? Mit westfälischer Sturheit, Trotz und einer guten Portion Selbstbewusstsein müht sich Dr. Barbara Rüschoff-Thale, Kulturdezernentin des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, auch jenseits der Region das sichtbar zu machen, was in dessen Grenzen selbstverständlich als Kulturgut wahrgenommen wird. Ihr Ziel: Weg vom Kirchturmdenken, hin zu einem Netzwerk von Leuchttürmen: „Wir müssen Stärken stärken“, sagt Rüschoff-Thale. Ein erster hörbarer Dreiklang durchzieht schon die Luft: „Klöster, Adel, Schlösser. Diese Themen wollen wir als die zentralen westfälisch-lippischen Kulturfelder aus­bau­en.“ Felder sind das, mit denen die Menschen in der Region etwas anfangen können. Ein Beispiel jüngeren Datums ist in diesem Dreiklang das Kloster Dalheim bei Paderborn, Europas erstes Klostermuseum.

Weil ein thematischer Dreisprung auf großer Fläche koordiniert werden muss, schließlich soll die Region künftig mit ei­ner Stimme sprechen, werden nach Vorstellung des Landschaftsverbandes künftig einmal pro Jahr Kulturkonferenzen stattfinden, die sich jeweils einem der drei Themen widmen. Wenn man über Schlösser und Adel nachdenkt, gerät automatisch das Münsterland als westfälische Kernregion in den Blick. Wer zudem vom Münsterland und von weithin erkennbarer und profilscharfer Leuchtturmkultur spricht, kommt dabei an Annette von Droste-Hülshoff, der großen deutschen Dichterin, nicht vorbei. Ihr Geburtsort, das Schloss Hülshoff, ist ein Schmuckkästchen. Für Literatur- und Drostefreunde, Radwanderer, Münsterlandfans und Ruhesucher. Dieses Schmuckkästchen muss man erhalten, mehr noch: Man muss es für die Zukunft aufwerten. Daran haben viele ein Interesse: die Nachfahren der Droste, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, die Westfaleninitiative, die Gemeinde Havixbeck, der Kreis Coesfeld und die Stadt Münster.

Westfalens Kulturtreibende und Vordenker sinnieren in diesen Wochen und Monaten darüber nach, wie diese Aufwertung gelingen kann. Immerhin: Im Zusammenhang mit dem Kulturgutachten war von einem zugkräftigen Literaturzentrum für NRW die Rede, entweder im Köln/Bonner Raum oder im Raum Münster. „Das könnte eine Steilvorlage sein“, formuliert Prof. Dr. Klaus Anderbrügge, Geschäftsführer der Westfalen-Initiative mit Sitz in Münster. „Wir brauchen für die Kultur in Westfalen Lichterketten“, ergänzt LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale und nennt, was nahe liegt, das Literaturmuseum in Oelde, das Haus Rüschhaus und Schloss Hülshoff als leuchtende Beispiele.

Es gehe nicht nur darum, ein „kulturelles Erbe zu sichern“, führt Klaus Anderbrügge weiter aus. Es gehe auch nicht nur um eine kulturelle Aufwertung Westfalens. Ihm und vielen weiteren Mitstreitern im Kulturbetrieb schwebt vor, Nordrhein-Westfalen für das Schloss Hülshoff zwischen Münster-Roxel und Havixbeck zu begeistern und es damit im ganzen Land zwischen Rhein, Ems und Weser zu verankern - als Ausstellungsort, als mögliche Heimstatt für Literaturstipendiaten, kurzum als literarischen Kristallisationspunkt allererster Güteklasse.

Die kulturelle Zukunft Westfalens hat begonnen. Mal sehen, was daraus wird . . .

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