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TV-Duell: „Steinmeiers letzte Chance“

Dorle Neumann und Frank Polke

Mainz/Münster - Eine knappe Regierungs-Mehrheit für CDU und FDP, ein SPD-Spitzenkandidat, der um seine letzte Chance kämpfen muss, und eine Bestätigung für den Wahlkampfstil Angela Merkels - das Fernseh-Duell sorgt für politische Spannung.

Nach Aussage des münsterischen Politikwissenschaftlers Wichard Woyke werden Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier „mit dem Florett, nicht mit dem Säbel“ am Sonntagabend ihr Fernsehduell (20.30 Uhr; ARD, ZDF, SAT1 und RTL) austragen. „Die Kanzlerin hat mit Blick auf die eigenen Popularitätswerte keinen Anlass, von ihrer bisherigen Strategie der freundlichen Sachlichkeit abzuweichen.“ Ihr SPD-Herausforderer wäre ebenfalls nicht gut beraten, nun auf eine aggressive Taktik umzuschwenken: „Ich glaube nicht, dass das überzeugen könnte.“

Für den Medienberater Michael Spreng, der Edmund Stoiber als Berater im Wahlkampf 2002 zur Seite stand, ist das TV-Duell Steinmeiers letzte Chance, um die Trendwende zugunsten der SPD herbeizuführen. Spreng rät: „Dazu müsste Steinmeier aber angreifen und versuchen, Frau Merkel seine Themen aufzuzwingen. Er müsste eine Formel finden, mit der er ihren Vermeidungs-Wahlkampf entlarvt.“

FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle forderte gestern erneut eine Absetzung der Fernsehsendung. „Das Duell darf so nicht stattfinden. Es muss in eine Sendung mit allen Spitzenkandidaten umgewidmet werden. Das würde dem Geist unserer Verfassung und dem Prinzip der Gleichbehandlung entsprechen.“ Die Vorsitzenden der kleineren Parteien - FDP, Grüne und Linkspartei - werden sich am Montag (ARD; 21 Uhr) ihren Schlagabtausch liefern. „Diese Diskussion dürfte interessanter werden“, hofft Woyke. „Schließlich sind diese drei Politiker die Königsmacher.“

Dafür spricht auch die jüngsten Umfrage des Politbarometers: Wäre am Sonntag Bundestagswahl, kämen CDU/CSU auf 36 Prozent (minus 1 Prozent), die SPD unverändert auf 23 Prozent und die FDP erhielte 14 Prozent (minus 1). Schwarz-Gelb hätte damit 50 Prozent. Die Linke gewinnt der Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen zufolge einen Punkt auf elf Prozent, die Grünen blieben bei elf Prozent. 56 Prozent der Befragten sind noch unsicher, welcher Partei sie ihre Stimme geben.

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