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Unsichere Implantate

UKM verwandte minderwertige Silikonkissen - 34 Patientinnen betroffen

Karin Völker

Münster - Das Universitätsklinikum Münster (UKM) hat in früheren Jahren bei Brustkrebspatientinnen Implantate der niederländischen Firma Rofil verwendet. Sie gelten ähnlich wie die des französischen Herstellers PIP als minderwertig. In der vergangenen Woche empfahl das Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medizinprodukte betroffenen Frauen, auch Rofil-Implantate als Vorsichtsmaßnahme wieder entfernen zu lassen.

Im UKM wurden die Rofil-Produkte Brustkrebs-Patientinnen in den Jahren 2002 bis 2005 eingesetzt. Das Klinikum hat die 34 betroffenen Frauen brieflich informiert. Dr. Joke Tio, Leiterin des Brustzentrums am UKM, hofft, dass die Frauen sich melden. „Das Ersetzen des Implantats ist in der Regel ein Eingriff, der zügig durchgeführt werden kann.“

An den beiden anderen münsterischen Brustzentren im Franziskus- und im Clemens-Hospital wurden nach Angaben der Kliniken keine Implantate von PIP und Rofil benutzt. Privatkliniken, die in Münster Brustvergrößerungen anbieten, betonen auf ihren Internetseiten oder am Telefonempfang, dass sie sichere Silikonkissen anderer Hersteller verwendet hätten.

Prof. Dr. Bettina Pfleiderer vom Institut für klinische Radiologie der Universität Münster hat bis vor einigen Jahren intensiv über die Wirkung der Brustimplantate geforscht und dabei festgestellt, dass Silikon aus den Prothesen ins Körpergewebe entweichen kann und in der Leber nachweisbar ist. „Die Produkte hatten sich aber bis etwa 2002 qualitativ sehr verbessert, waren aufwendiger hergestellt, sodass sie rissfester waren und das Silikon nicht mehr austreten konnte“, sagt Pfleiderer.

Sie wundert sich, dass es in den Folgejahren „offenbar wieder einen Rückschritt“ gab. Erklärbar sei die schlechtere Qualität allenfalls mit der gestiegenen Nachfrage nach Brustvergrößerungen in der Schönheitschirurgie und der wachsenden Konkurrenz unter Privatkliniken, die sie anbieten. Die münsterische „Clinic im Centrum“ am Hohenzollernring etwa wirbt im Internet mit Brust-Vergrößerungs-Operationen ab 4990 Euro.

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