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Umfragen zur Kommunalwahl: Spannend bis zum Schluss

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Münsters neuer Oberbürgermeister steht vor großen Herausforderungen. Zum einen muss er in die Fußstapfen eines Dr. Berthold Tillmann treten, der bei Umfragen noch immer herausragende Sympathie- und Kompetenz-Werte bekommt. Und zum anderen muss er sich auf einen Rat mit vermutlich höchst komplizierten Mehrheitsverhältnissen einstellen.

Wer sich dieser Herkulesaufgabe stellen darf, ist noch offen. Als Favorit darf nach den jüngsten Umfragen CDU-Kandidat Markus Lewe gelten, der laut Münster-Barometer um acht Punkte vor seinem SPD-Kontrahenten Wolfgang Heuer liegt. Das ist ein respektabler Abstand - aber noch längst keine Garantie für einen Wahlsieg. Denn wie schnell sich die Wählergunst ändern kann, dürfte manchen noch von der letzten OB-Wahl in Erinnerung sein. 2004 lag Tillmann in den Prognosen deutlich über 50 Prozent, landete dann unsanft bei 49,8 Prozent - und musste deshalb noch in die Stichwahl. Zumindest das kann diesmal nicht passieren, denn die Stichwahl wurde zwischenzeitlich abgeschafft.

Noch schwieriger ist die Gemengelage bei der Wahl zum Rat der Stadt Münster. Eine stabile Mehrheit ist hier jedenfalls nicht in Sicht.

CDU und FDP kommen beim Münster-Barometer zusammen auf 48 Prozent. Das hört sich gut an, ist aber nicht gut genug - wie sich ebenfalls mit einem Blick auf die letzte Kommunalwahl belegen lässt. 2004 kamen CDU (42,7) und FDP (7,9) zusammen auf 50,6 Prozent - und konnten damit lediglich genau die Hälfte der Ratssitze erringen. Eine CDU-/FDP-Mehrheit kam nur deshalb zustande, weil auch der separat gewählte OB Sitz und Stimme im Rat hat.

Aber die Prognosen für das andere Lager sind noch etwas dürftiger. Laut Münster-Barometer kommen SPD (25) und Grüne (20) zusammen auf 45 Prozent, was ziemlich genau ihrem Ergebnis von 2004 entspricht und damals wie heute zur Mehrheitsbildung nicht reicht. Vermutlich auch dann nicht, wenn man noch die Linken einbezieht.

Vieles spricht also dafür, dass die kleinsten Parteien das Zünglein an der Waage spielen. Am ehesten vorstellbar ist da noch, dass CDU und FDP sich die UWG oder die ÖDP ins bürgerliche Boot holen. Aber es scheint auch nicht gänzlich ausgeschlossen, dass die Piraten gleich beim erstmaligen Einzug in den Rat - wenn er denn gelingt - den Mehrheitsbeschaffer für die Opposition spielen.

Für ausreichend Spannung bis zum Wahlsonntag ist also gesorgt. Die jüngsten Umfrageergebnisse sind überdies beste Argumente für den Gang zur Wahlurne. Denn je dichter die Parteien bzw. Lager beieinanderliegen, desto mehr kann eine einzelne Stimme bewirken. Und Münster hat in puncto Wahlbeteiligung schließlich einen Ruf zu verteidigen. Bei der Europawahl im Juni verzeichnete die Westfalenmetropole die landesweit höchste Wahlbeteiligung. Und diesen Spitzenplatz sollten sich die Münsteraner auch am 30. August nicht nehmen lassen.

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