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Rebellion im Regenwald

„Und dann der Regen“: Starkes Drama um das spannende Zusammentreffen von Politik und Film im Film

An Originalschauplätzen in Bolivien gedreht, entwickelt sich Iciar Bollaíns „Und dann der Regen“ (im Original: Sogar der Regen) von der Schilderung schwieriger Dreharbeiten eines Films über Christoph Kolumbus zu einem starken Politdrama über Ausbeutung und Rebellion im Regenwald. Das spannende Zusammentreffen von Politik und Film im Film verleiht dem Werk besondere Würze.

wn

Drehbuchautor Paul Laverty, der mit Ken Loach 2007 die Goldene Palme von Cannes für das Irland-Epos „The Wind That Shakes the Barley“ gewann, setzt von Anfang an auf Konfrontation. Da wird der idealistische Regisseur Sebastián (Gael Garcia Bernal, „Die Reise des jungen Che“), der in seinem historischen Drama den Entdecker Kolumbus als goldgierigen Kolonialisten entlarven will, von den indianischen Statisten in Cochabamba angegangen, weil sie, als billige Arbeitskräfte angeheuert, für den Film und zu Sebastiáns Vorteil missbraucht werden. Pragmatischer geht Produzent Costa (dreifacher Goya-Preisträger Luis Tosar, „Öffne meine Augen“) vor. Er weiß, wie man mit Geld umgeht und Probleme regelt.

Nur hat auch Costa nicht mit den Unruhen gerechnet, mit denen die Dreharbeiten in den Strudel sozialer Rebellion geraten. Weil die Regierung die Wasserversorgung der Region um Cochabamba an einen Multi verkauft hat, hat sich ein offener Aufstand mit Barrikaden und Waffen entwickelt. Die Stadt wird abgeriegelt. Hier treffen sich die Vorgänge des bolivianischen Wasserkriegs vom April 2000 mit den Vorgängen vor 500 Jahren, als Kolumbus und die Konquistadoren ins Land einfielen. Costa, für den nur zählt, dass der Film in Zeitplan und Budget bleibt, steht vor Entscheidungen, die ihn zur Schlüsselfigur machen.

Von Tosar und Bernal grandios gespielt, inszeniert Iciar Bollaín („Öffne meine Augen“) ein vielschichtiges und packendes Drama. Sie verdichtet den manischen Eroberungsdrang der Spanier aus Werner Herzogs zeitgleich spielendem „Aguirre, der Zorn Gottes“ (mit Klaus Kinski) mit Auswirkungen globaler Kolonisation durch Konzerne und Mächtige zur Studie über Hybris und den Zustand der Welt. Mit toller Musik von Alberto Iglesias und fantastischer Kameraarbeit von Alex Cartalan, der in der Szene mit dem gigantischen Holzkreuz, das vom Helikopter über den Urwald getragen wird, Federico Fellinis Klassiker „La dolce vita“ aufnimmt und Filmgeschichte erster Sahne zitiert und schafft. Sehenswert.

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