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Lenz Musik

Unecht ist nur Hannahs Perücke

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Wenn „Hannah Montana“ die Bühne betritt, setzt ein ohrenbetäubendes Kreischen ein. Es ebbt während der nächsten zwei Stunden nicht mehr ab. Das Publikum ist voll besetzt mit Mädchen zwischen sechs und 14 Jahren. Die kennen jede Zeile von Hannah Montanas Hits wie „Best Of Both Worlds“, „G.N.O“ und „I Got Nerve“ auswendig, singen aus vollem Hals mit, hüpfen dazu wie Gummibälle auf und ab und tragen Perücken mit langen blonden Haaren – wie ihr Idol.

Tagsüber trottet sie in Jeans in die Schule, paukt für gute Noten und streitet sich mit ihrem Bruder Jackson. Am Abend verwandelt sie sich mit Hilfe einer blonden Perücke und glamourösen Outfits in einen Superstar. Dann steht sie im Scheinwerferlicht, jettet von Auftritt zu Auftritt und fährt in dicken Limousinen vor. Nur ihre Familie weiß über ihr Doppelleben Bescheid.

Manchmal aber ist das Leben aber eben besser als jedes Drehbuch: Für Miley Cyrus hat sich ihre Rolle selbst überholt. Die eingängigen Pop-Melodien und der Erfolg der TV-Show katapultierten sie in den Himmel der amerikanischen Teenager. Zeitweise waren sieben Singles gleichzeitig in den US-Charts.

Für ihren zweiten Soundtrack, „Meet Miley Cyrus“, gab es bereits nach einem Monat Platin für eine Million verkaufte Tonträger. Die Tochter des Country-Sängers Billy Ray Cyrus (44, „Achy Breaky Heart“), der auch in der Serie ihren Vater spielt, war aus 1000 Kandidatinnen für die Rolle von Hannah ausgewählt worden. Obwohl sie kaum schauspielerische Erfahrung hatte, überzeugte sie die Disney-Produzenten durch cooles Selbstbewusstsein, Talent für Komik und ihre leicht heisere Singstimme.

Die Eltern ihrer jungen Fans überzeugt sie dagegen durch ihr sauberes Image. Hannah Montana füllt die Lücke, die Britney Spears hinterlassen hat, nachdem sie sich durch Berichte über vorehelichen Sex, Drogenmissbrauch und halbnackte Fotos selbst aus dem Rennen katapultierte. Bei Miley Cyrus/Hannah Montana ist Sex (noch) überhaupt kein Thema. Die Beziehung zum anderen Geschlecht besteht aus unschuldigen Flirts mit Klassenkameraden. Stattdessen liebt sie nur ihre Musik, bekommt ein festes Taschengeld und kümmert sich um ihre Freunde.

Die Botschaft der TV-Serie steht damit im scharfen Kontrast zu allen Eskapaden, die Party-Girls wie Lindsay Lohan, Paris Hilton und zuletzt Mischa Barton in die Schlagzeilen bringen. Miley zeigt, dass man selbst als Superstar noch ein „braves Mädchen“ sein. Vater und Tochter Cyrus demonstrieren in Talkshows außerdem immer wieder überzeugend, dass sie ein prima Verhältnis haben.

Das gefällt den Eltern in den USA und ist ihnen einiges wert. Innerhalb von Minuten waren die Karten zu den ursprünglich geplanten 55 Shows von Hannah Montanas Tour „Best Of Both Worlds“, die im Oktober startete, restlos ausverkauft. Sehr zum Missfallen ihrer Fans tauchten die Karten für bis zu 3000 Dollar (rund 2000 Euro) auf dem Schwarzmarkt wieder auf. Miley Cyrus hat jetzt für diesen Monat weitere Konzerte angekündigt

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